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Ein Bier-Tasting in Bremen

Der Herr S. hatte ja kürzlich Geburtstag – und da musste es selbstverständlich auch ein Geschenk geben. Nicht irgendeins natürlich. Sondern ein Gutes, Tolles, Hervorragendes: Ein Bier-Tasting. Mit richtig gutem Bier. Denn davon sind der Herr S. und ich spätestens seit der Bremer „Fisch und Feines“ Messe absolute Fans. Und was gibt es da Besseres, als sich einen Abend lang, zusammen mit vielen tollen Bieren, in einem Laden einschließen zu lassen? – Quasi der Kindheitstraum einer Nacht im Süßigkeitenladen, neu interpretiert.

Praktischerweise hat Bremen, unweit unserer Haustür, seit einigen Wochen einen eigenen Bierladen. Das Brolters. Dort gibt es biermäßig so ziemlich alles, was ihr euch vorstellen könnt: Helles Bier, dunkles Bier, schwarzes Bier. Starkes, schwaches, fruchtiges und herbes Bier. Bier, das nach Honig schmeckt, nach Mandarine und sogar nach Schokolade oder Vanille.

Das Geheimnis hinter dieser Geschmacksvielfalt sind selbstverständlich keine hinterlistigen Geschmacksverstärker oder ähnlich fiese Dinge, sondern die ausgetüftelte Verwendung von Malz, Hopfen und einer vernünftigen Lagerung. Im Grunde genommen ist es wie beim Wein auch: Je nach Rebsorte, Jahr, handwerklichem Geschick und Lagerung können Weine nach den abenteuerlichsten Dingen schmecken und riechen. Ebenso ist es beim Bier halt auch.

Bier in Bremen

Am Freitagabend, um 19h/ nach Ladenschluss, ging es also los. Es war nicht nur für den Herrn S. und mich das erste richtige Biertasting, sondern auch für die beiden Ladenbesitzer Janka und Frank eine Premiere. Das heißt: Natürlich war das nicht ihr erstes Tasting – sie kennen sich bestens aus. Aber es war das erste, das sie für ihren Laden organisiert haben.

Wir haben uns gemeinsam mit ihnen durch eine wunderbar durchchoreografierte Zusammenstellung von Schwarzbieren probiert: Den Anfang machte ein kühles Schwarzes. Wobei kühl sich eher auf das Wesen des Bieres bezieht, als auf die Temperatur. Denn eins gleich vorweg: Ihr tut euch wirklich keinen Gefallen, wenn ihr Bier allzu kühl trinkt. Da leidet vor allem eins: Der Geschmack. Am besten schmecken Biere bei Zimmertemperatur. Außerdem solltet ihr sie unbedingt aus einem Glas und nicht direkt aus der Flasche trinken. – Direkt aus der Flasche nehmt ihr euch einen ganz wichtigen Teil vom Geschmack: Das Riechen.

Bierschwenkend haben wir also drauflos probiert: Als nächstes kam ein Brixton Porter von der schottischen Brauerei Brewdog in unsere Gläser – welches vom Herr S. mit dem Prädikat „flüssiges Glück“ ausgezeichnet wurde. Ein Porter ist ein alter englischer röstmalzbetonter und meist obergäriger Bierstil, der seinen Namen denen zu verdanken hat, die es am liebsten tranken: Den Londoner Hafenarbeiter oder auch Lastenträger (= Porter).

Aber unser absoluter Favorit an dem Abend war ein Bier der norwegischen Brauerei „nøgne ø“ (gesprochen Nögne Ööe). Der Gründer dieser Brauerei, Kjetil Jikiun, war vor seiner Karriere als Braumeister Pilot. Auf seinen vielen Reisen rund um den Globus hatte er also genügend Zeit jede Menge Bier zu probieren: Es gibt nämlich nicht nur Pils und Kölsch auf dieser Welt (wie es die selbsternannte und dabei erstaunlich unkundige deutsche Biertrinkernation vielleicht mitunter meinen mag), sondern viele, viele, etliche weitere: Allein Wikipedia kennt über 70 verschiedene Sorten – welche wiederrum verschiedene Untersorten haben, die selbstverständlich allesamt je nach Land, Tradition, Hopfen, Hefe und Malz ganz unterschiedlich schmecken.

Das hat auch Kjetil Jikiun festgestellt und diese Vielfalt zu Hause in Norwegen schmerzlich vermisst. Also tat er, was zu tun war: Er begann selbst zu brauen: Den Hopfen brachte er kurzerhand mit. In der Boing 747. Praktisch. Irgendwann allerdings, da wurde er hauptsächlich für Innlandflüge eingesetzt. Tja. Und er tat wieder, was zu tun war: Er kündigte und widmete sich voll und ganz seiner Brauerei. <- Eine gute Entscheidung!

Bier_Verkostung

Viele Biere, Geschichten und einem selbstgebackenen Zwiebelkuchen später, haben uns Janka und Frank sogar noch ihr Hochzeitsbier kosten lassen, welches sie für ihren großen Tag nach ihrem ganz eigenem Rezept haben brauen lassen. Ein sehr rundes, fruchtige und extrem leckeres Bier. Es war ein wirklich schöner Abend – den wir definitiv wiederholen werden. Vielen lieben Dank an euch und Prost! <3

Und damit verabschiede ich mich nun auch Richtung Weihnachten. Mein Zug geht in drei Stunden. Ich hoffe inständig, dass ich gut durchkomme – und vor allem alle Fahrstühle, auf allen Bahnhöfen funktionieren, denn nebst Klamotten und Geschenke reisen auch einige Flaschen Bier in meinem Koffer mit. Quer durch die Republik. Er. Ist. Schwer! Verdammt. Schwer! Also wünscht mir Glück. ;) Und seid mir bitte nicht böse, wenn ich einige Kommentare erst nach Weihnachten beantworte.

Euch allen schöne Feiertage – und falls ihr noch ein Last-Minute-Geschenk braucht: Das Brolters hat Heiligabend bis mittags geöffnet. ;)

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