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Ramadan für einen Tag

Ramadan_Blog

Ihr erinnert euch sicher: Kürzlich schrieb ich hier im Blog, dass der Herr S. und ich uns haben hinreißen lassen: Einen Tag lang mitzumachen. Beim Ramadan. Nun. Vorletzten Samstag war es dann soweit: Um Punkt 02:51 Uhr inmitten der Nacht war Schluss mit Essen und Trinken. Unser Wecker klingelte um 02:40 Uhr. Denn aufgrund ausdrücklicher Empfehlung haben wir uns noch schnell eine Flasche Wasser einverleibt. Kurz vorher. Sozusagen. Das nächste Mal etwas zum Trinken gab es erst wieder um Punkt 21:50 Uhr. Also ziemlich genau 19 Stunden später.

Üblicherweise wird auch noch was gegessen – aber darauf haben wir verzichtet.  Da wir uns schon den ganzen Abend lang den Bauch vollgeschlagen haben und schlichtum pappsatt waren. Diese jene Mahlzeit in der Nacht, kurz vor dem Sonnenaufgang, heißt Sahūr. Die meisten trinken vor allem sehr viel und essen dazu irgendwas Leichtes. Es sollte nicht zu salzig, würzig oder fettig sein, da dies dem Körper zu viel Flüssigkeit entzieht.

Wenn der Ramadan im Winter liegt und die Tage kürzer sind, bleiben viele auch einfach gleich wach. Starten in den Tag. Dieses Jahr liegt der Ramadan allerdings nun eben im Juni. Inmitten der Zeit also, mit den längsten Tagen im Jahr. – Die zudem umso länger werden, umso weiter man sich vom Äquator entfernt. In Syrien sind die Tage z.B. derzeit fast zwei Stunden kürzer.

Wir jedenfalls, der Herr S. und ich und unsere Freunde, haben nach der nächtlichen Wasserflasche erstmal weitergeschlafen. Schön ausgeschlafen. Aber: Bereits am nächsten Morgen gegen 09:00 Uhr, kurz nach dem Aufstehen, kamen mir die ersten Zweifel, ob ich es bis zum Abend durchziehen kann: Denn mein gewohnter Griff neben das Bett zum Wasser fiel ja nun eben aus. Komplett. Genau wie unsere all-samstäglichen Kaffeegewohnheiten.

Erstaunlich schnell und erstaunlich plastisch wurde uns bewusst, wie oft wir irgendwas essen, trinken oder sonst wie in uns reinschaufeln. Ohne nachzudenken. Und insbesondere wie selbstverständlich: Der Griff zum Wasser neben dem Bett. Oder eben zum Kaffee. Der hübsch duftend köchelt, während wir Brötchen schmieren – und derweil noch die eine oder andere Erdbeere naschen. Oder Keks. Oder Kuchen. Oder halt eben nur ein simples Schlückchen Wasser. Nebenbei. Immer wieder. Immer dann, wenn der Sinn danach steht.

Gegen 16:00 Uhr habe ich dann echt mit mir gekämpft. Denn so langsam bekam ich Durst. Also richtig Durst. Nicht den von der Sorte: Trockene Kehle gepaart mit ein wenig Büro-Kopfschmerzen. Über den Punkt war ich längst hinaus. Sondern eben richtig Durst. Ein kurzer Gedanke an ein simples Glas Leitungswasser war für mich so einnehmend, dass ich um ein Haar nicht durchgehalten hätte. Ich musste flehentlich mit mir ringen. Engelchen und Teufelchen mehrfach durchspielen – mit einem recht überzeugendem Teufel. Die Vorstellung, dass mir noch weitere 6 (!) Stunden bevorstehen, hat mich – mal sparsam ausgedrückt – durchaus entmutigt. Genau genommen kam es mir schlichtum unmöglich vor, mich noch so lange in Schach halten zu können.

Ich schrieb also den Herren unserer Ramadan-Experten-Crew, dass sich bei mir nun langsam aber sicher das erhärtende Gefühl einstellt, die Limo im Kühlschrank spricht zu mir, ruft mich ganz leise, sanft aber bestimmt zu sich. Beschwörend. Und bekam als Antwort ein Meer lachender Smilies – sowie den dezenten Hinweis: „It’s too early…. that comes later.“ – Ähm. Ja. Hust!!

Ich habe es dann erstmal mit Ablenkung probiert – und aufgeräumt. Dinge durch die Wohnung von A nach B nach A getragen. Bin umhergetigert. Und am Ende konnte ich doch wieder nur an das Eine denken. Habe mich darin versucht die Abhängigkeit von Geist und Materie durchzuphilosophieren.  Und musste dabei rund 8 Mal an Sheldon Cooper denken, der zu gern der Gebieter über seine Blase wäre. Den Kampf aber nunmal verlor. Ein simples Bedürfnisse das hochtrainierte Gehirn aus dem Handgelenk heraus schlug.

Ohne Luft überleben wir bekanntlich nur wenige Minuten, ohne Wasser wenige Tage und ohne Essen mehrere Wochen. Eine gewisse, durchaus dringliche Abhängigkeit von den Ressourcen in unserer unmittelbaren Umgebung ist also nicht von der Hand zu weisen – auch wenn wir mit der Welt ja leider oftmals wie mit einem alten Lappen umgehen, der schon irgendwie durchhält. Egal wie lange. Egal was.

Der Herr S. wiederum hat es mit Dopamin versucht: Und dem Tag mit einem neuen Computerspiel getrotzt. Irgendwie. Jedenfalls. Wie auch immer haben wir durchgehalten. Beide. Wohoo! Gegen halb acht sind wir dann aufgebrochen – zum gemeinsamen Fastenbrechen. Als wir eintrudelten, waren die drei Herren wild am Kochen. Und wir der Prognose „The first timers like you will turn to zombies before the sun sets“ durchaus erstaunlich nah. Doch für den Herr S. kam es noch härter: Denn er sah sich nun seinem persönlichen und ultimativen Endgegner gegenüber: Weitere 1,5 Stunden auf einem Stuhl – mit direktem Blick in die Küche. Mir wiederum war zwar langsam durchaus schummrig zumute, aber die Tatsache, dass es nun absehbar war, machte mir die letzten 1,5 Stunden einigermaßen leicht.

Ramadan Harak Issbaou

Ramadan Obst

Es gab ein komplett vegetarisches Essen. <3
Bestehend aus „Haraa Esbaaou“ – so jedenfalls wird es in etwa ausgesprochen. Ergoogelt habe ich aber noch folgende Schreibweise: Harak Issbaou. Es handelte sich jedenfalls um Linsen und Pasta mit angebratenen Zwiebeln in Zitronensaft. Oben drauf: Granatapfelkerne, frischer Koriander und frittiertes Fladenbrot. Die Kombi aus den deftigen Zwiebel-Linsen und den Granatapfelkernen mit Koriander fand ich mega-lecker!

Dazu gab es Börek, Bulgur mit toll gewürztem Gemüse und oben drauf noch mehr Gemüse zum Knabbern. Zum Nachtisch dann jede Menge Obst. Die saftige Süße habe ich noch nie so sehr zu schätzen gewusst, wie an diesem Abend.

Und nun: Für all diejenigen geplagten unter euch, die im Hause eines Foodbloggers wohnen, die alldieweil am Tisch sitzen, nicht zulangen dürfen, warten müssen, bis das ultimative Foto geschossen wurde. Bis für das Blog alles so festgehalten wurde, dass es sich verbloggen lässt. An all jene Leidgeplagten: Ihr hättet mal das Gesicht von dem Herrn S. sehen sollen, als nicht nur ich mit meinem Handy drumrum fotografiert habe, sondern folgender Satz von seiten der Köche kam: „I know you are hungry…. but….ahhh…. just a minute.“

Traditionell wird das Fasten allabendlich mit einer Dattel und einem Glas Wasser oder Milch gebrochen. Das mit der Dattel haben wir auch gemacht – aber bei uns gab es dazu Limo. Jener habe ich so was von entgegengefiebert. Aber hey: Der Vorteil an meinem mittlerweile doch recht cholerischen Durst war, dass ich den Hunger schlicht nicht gemerkt habe.

Fazit: Hut ab vor allen, die das einen ganzen Monat lang durchziehen! Und dabei ihren Alltag, ihre Arbeit, Studium, Leben trotzdem meistern. Schon der zweite Ramadan-Tag sei zwar wesentlich leichter als der erste. So die einstimmige Meinung aller, die ich dazu befragt habe, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich einen Tag im Büro überstehen könnte.

Beim Ramadan geht es nicht nur darum sich im radikalen Verzicht zu üben, sondern eben auch darum das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie viele Menschen auf der Welt in Not leben. Der Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islams – die Almosensteuer (Zakāt) eine weitere: Danach sollen alle Muslime (je nach Auslegung) 2,5% bis 10% ihres Einkommens grundsätzlich, immer und jeden Monat an Bedürftige spenden. Am Ende des Ramadans wird nochmals gespendet. Zusätzlich.

Zu spüren, was Hunger und Durst bedeuten – aber auch zu spüren, sich seinem Willen zu stellen: Darum geht es. Als Menschheit zusammenzurücken – und sich auf das Wesentliche zu besinnen.

42 Kommentare

  1. Pingback: Ramadan Kareem

  2. Ich habe ja schon auf Twitter geschrieben, dass ich das total spannend finde. Danke für den Einblick in den Tag. Ich stelle es mir auch sehr schwer vor, vor allem nichts Trinken zu dürfen und wüsste auch nicht, wie man da einen Arbeitstag überstehen soll. Würde es vermutlich wie Herr S. halten und mich mit Zocken, Filmen o.ä. ablenken.
    Schöner Bericht!

    • Sarah Maria

      Eigentlich alle mit denen ich gesprochen habe meinten, dass es leichter ist, wenn man was zu tun hat. Weil die Zeit dann schneller vergeht – aber ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, wie ich bei uns im Büro vollkonzentriert arbeiten könnte. Ich war echt ganz schön schlapp.

  3. hey, ich finde es toll, dass ihr es durchgezogen habt. ich kann nicht sagen, ob ich es geschafft hätte, gerade der durst hätte mich wahnsinnig gemacht.
    liebe grüße!

    • Sarah Maria

      Der Durst war wirklich krass. Wobei das bei jedem wohl etwas anders ist. Der Herr S. zum Beispiel hatte eher mit Hunger zu kämpfen. Den wiederum habe ich so gut wie gar nicht gemerkt – einfach weil ich so durstig war. ;)

  4. wieder richtig interessant geschrieben. Da bekäme ich ja fast Lust das auch auszuprobieren … aber nur fast ;-)
    Das Video hat mir auch gefallen.

    Herzliche Grüße von Heidi-Trollspecht

  5. Bigge sagt

    Sorry, aber das stößt bei mir auf Unverständnis!
    Und ja, ich weiß wirklich was Hunger ist – echter Hunger.

  6. Pingback: Die Coolen Blogbeiträge zur EM 2016 | Sabienes

  7. Du hast es geschafft, toll. Ich hätte das mit dem trinken nicht ausgehalten. Ich trinke wie ein Walfisch, schütte literweise Tee in mich hinein. Unachtsam auch Fritz cola und während ich das lese denke ich ich würde tausendmal am Tag ins leere greifen. Wie Selbstverständlich das alles ist.
    Die Sache mit dem Hunger könnt ich eher aushalten. leider weiß auch ich was richtiger Hunger ist und gerade deshalb kann ich Verstehen warum du dieses Experiment gestartet hast-es wird einem wieder bewusster, was der Körper braucht, was er leistet. Und was man ihm für Überfluss zumutet. Verzicht übend kann man also durchaus gewinnen. :-) ich habe eben wieder einen EinkaufsWagen mit 5 minuten Terrinen gesehen,kopfschüttel. Da hat sich noch nie jemand Gedanken um Nahrung und Verzicht gemacht. l:G Alex

    • Sarah Maria

      Die Abhängigkeit ist mir recht rasant, recht deutlich geworden. Es war tatsächlich ein irgendwie wackeliges Gefühl nicht zu essen und vor allem zu trinken. Aber nicht im Sinne, dass ich Kreislaufprobleme hatte, sondern mich irgendwie auf mich selbst gestellt gefühlt habe. Dass ich jetzt aus mir selbst heraus die Kraft für den Tag finden muss. Und ich fand es schon auch irgendwas zwischen erstaunlich und bedenklich, wie sehr ich mit meinem Willen kämpfen musste: Nicht doch zum Glas Wasser zu greifen. Wie dominant der Körper nach Bedürfnisbefriedigung verlangt….

      Die Einkaufswagen voller Nicht-Lebensmittel, voller Essen, das irgendwie eigentlich schon gar nicht mehr als Nahrung bezeichnet werden kann, finde ich auch regelmäßig gruselig. Es hat irgendwie was sehr Absurdes, Essen so lange zu verarbeiten, bis es nicht mehr wirklich als Essen zu erkennen ist: Weder für den Körper – noch für den Geist.

  8. Ich finde es wirklich klasse, dass ihr einfach einen Selbstversuch gestartet habt!
    Viele reden darüber und drumrum und haben die Erfahrung selber noch gar nicht gemacht.
    Die meisten Menschen, die fasten, haben auch noch die Gedanken an Gott mit dabei, was einem beim Durchhalten (mit) am meisten hilft. :)
    Habt ihr euch eigentlich beim Fasten Gedanken darüber gemacht? Also über Gott bzw Religion?

    Liebe Grüße!

    • Sarah Maria

      Danke dir. <3
      So ähnlich habe ich mir das auch gedacht: Da z.B. auch ein Kollege von mir den Ramadan macht - und ich mich immer gefragt habe, wie er das durchhält. Jetzt frage ich mich das allerdings noch mehr.... ;)

      Wobei die Idee an sich, um ehrlich zu sein, mehr eine Art Wette war: Wir saßen zusammen und ein Freund von uns hat erzählt, wie der Ramadan bei ihm so abläuft. Und er meinte dann im Scherz, dass wir das niemals durchhalten würden - und ich dann so: "Klar!" - und er dann so: "Never!" - und ich dann so: "Wetten!". Tja. Darauf gab es ein Händeschütteln und aus der Nummer kamen wir nicht mehr raus. - Und: Das war leider bevor ich erfahren habe, dass es um 19 Stunden geht. ;) Ich dachte von 06:00 Uhr bis 19:00 Uhr - oder so. ;))

      Über die Idee vom Ramadan haben wir dann noch länger gesprochen. Darüber, dass es darum geht sich seinem Willen zu stellen. Sich selbst bewusst zu werden, wie abhängig wir von der Welt sind - aber eben auch mit Kraft standhalten können. Sich aber auch solidarisch mit denen zu zeigen, die aus Not heraus Hungern. Aber auch so ganz insgesamt über den Islam haben wir gesprochen. Das war allerdings im Vorfeld.

      Und da ich mich selbst eher als Vielleicht-Agnostikerin bezeichnen würde - hat Religion für mich an dem Tag eine eher geringe Rolle gespielt. Zumal die, mit denen wir gefastet haben, darüber an dem Abend auch so gut wie gar nicht gesprochen haben. Es ging an dem Abend bei uns eher um das Miteinander. Wir haben viel gelacht - und in den letzten Minuten vor dem Fastenbrechen Lebensmittel in die Wolkenbilder am Himmel reininterpretiert. ;))

  9. Über den Ramadan habe ich mich mit einer gläubigen Freundin unterhalten und war fasziniert davon, wie tiefgehend der Gedanke dahinter ist.
    Als Erzieherinnen sind wir bei der Hitze viel draußen unterwegs und ich bekomme Kreislaufprobleme, wenn ich nicht ab und zu mal was trinke.
    Auf das Essen könnte ich denke ich verzichten, aber auf das Trinken, auch meinen Blutwerten zu Liebe eher nicht.
    Es gibt ja auch im Christentum das Fasten.
    Eine meiner Kolleginnen verzichtet da zum Beispiel komplett auch Zucker und Fleisch/Wurst.
    Liebe Grüße, Aletheia

    • Sarah Maria

      Ich selbst bin nicht sonderlich religiös aufgewachsen, daher habe ich das christliche Fasten nie mitgemacht. Wobei meine komplette Familie ohnehin auf Fleisch verzichtet. Aber Zucker wäre mal eine gute Idee. Vielleicht mache ich da nächstes Jahr einfach mal mit – ist ja immer ein wenig leichter, wenn man sich mit seinem Vorhaben in Gesellschaft befindet.

      In Sachen Kreislauf hat mich die Hitze heute auch so schon fast schachmatt gesetzt. Bei 35° ohne Trinken…. das hätte ich nicht geschafft. Heute bin ich vermutlich jetzt schon über meinen 3. Liter Wasser hinaus. Aber die drei Herren ziehen – soweit ich weiß – auch heute weiter durch….. Respekt. Auch und ganz besonders an deine Kollegin! <3

  10. moin sarah,
    deine schilderung des tages ist für mich fast schon überzeugungsarbeit geworden, allerdings würde ich nun mit deinen infos einen *kurzen wintertag* vorziehen beim versuch.
    das essen ist eh meins, linsen, zwiebeln kenne ich mit reis und ist megalecker.
    klasse ist das video geworden und erst die fotos…
    lg kelly

    • Sarah Maria

      Oh. Das freut mich ja, dass dir auch das Video gefällt. :) Ich habe es von meinem Snapchat-Account heruntergeladen – und irgendwie mochte youtube es nicht ganz ohne Zicken hochladen. Die Bilder sind ja auch jetzt noch unterschiedlich groß….. Aber anders habe ich es nicht hinbekommen. ;)

      Und ich wünsche dir ganz viel Erfolg bei deinem Versuch! Ich drücke die Daumen. <3

  11. Wow… ich bin grad sprachlos… einerseits über deine wundervolle Schreibweise (danke, dass du auf meine Website gestoßen bist und ich somit auf deinen tollen Blog gelangt bin) und andererseits über diese Geschichte. Ich habe selten etwas so spannendes gelesen. Und mich dabei beim Blick auf die Wasserflasche neben mir, mehr als einmal nur dabei ertappt, dass ich dachte „oh Gott. Bei der Hitze die hier in Wien grad herrscht. Ohne Wasser. Wahnsinn. Würd ich nicht schaffen.“ Und mich dann an so manche sportliche Herausforderung zurückerinnert, von der ich auch dachte, dass ich sie niemals schaffen würde. Und dann doch geschafft habe. Hmm… Dein Beitrag hat mich in jedem Fall sehr nachdenklich gestimmt. Ich wusste schon was Ramadan ist, aber der genaue Sinn dahinter, der war nur noch schwammig im Kopf. Also wieder was dazugelernt. :-)
    Ob ich’s jetzt auch versuchen würde… Ja vielleicht. Aber nicht in der momentanen Lebensphase. Die ist grad turbulent und so randvoll an „neu“ und „anders“… da jetzt so ein „Projekt“ hineinzuhauen… Ich glaub da hätte ich gerne einen freie(re)n Kopf dafür. Oder vielleicht würde es auch gut in einen stressigen Tag hineinpassen wo du wenig Zeit hast festzustellen, dass du durstig bist. Ein Tag ohne essen, das geht leicht. Aber ohne Wasser. Hm…
    Ich finde es auf jeden Fall höchst bewundernswert, dass ihr beide es geschafft habt. Schon allein die Tatsache, es zu versuchen. Etwas zu versuchen das für uns nicht alltäglich ist. Keine Gewohnheit ist. Über den Tellerrand hinauszuschauen und etwas neues zu probieren. Toll!!! In diesem Sinne, alles Liebe und ich schaue bestimmt wieder bei dir vorbei :-)

    • Sarah Maria

      Nina. Danke. Ich freue mich total über deinen Kommentar. <3
      Dieses: Wow!-Ich-habe-es-geschafft-Gefühl hatte ich am Ende des Tages tatsächlich. Vor allem, da ich gegen 16:00 Uhr so sehr mit mir gekämpft habe. Ich war selbst schon irgendwie erstaunt, dass ich durchgehalten habe..... Und wirklich erstaunlich war auch - wie schnell es dann wieder vergessen war. Nachdem ich etwas getrunken - und ein bisschen gegessen hatte, kam es mir irgendwie dann doch leicht vor. Ich habe richtig gemerkt, wie mein Körper mit einem Schwubs wieder Energie hatte. Das war schon auch ein schönes Gefühl - aber tatsächlich auch ein durchaus intensives. Da ich irgendwie die Verbindung/ Wechselbeziehung zwischen meinem Körper, meinem Geist und meiner Umgebung so krass spüren konnte.

      Liebe Grüße zu dir nach Wien! :)

      • Da sprichst du einmal mehr ein Phänomen an, das mir in den letzten Wochen wieder bewusst aufgefallen ist. Wie schnell wir Schmerz und Anstrengung vergessen und wie viel mehr uns die schönen Momente, die Erfolgserlebnisse und die Höhen in Erinnerung bleiben… Der Stolz, über uns hinausgewachsen zu sein, statt die Anstrengung. Finde ich toll dass es dir auch so ging. ? Alles Liebe!

  12. Respekt – das ist sicherlich eine sehr intensive Erfahrung gewesen. Ich habe bisher lediglich eine Mayr Kur über 2 Wochen gemacht, in der man 3 x Täglich nur Milch und Brötchen essen darf. Das schärft auch extrem die Sinne – das 1. Marmeladenbrot zum Frühstück nach 2 Wochen ist echt der Wahnsinn. So ähnlich stelle ich mir den Ramadan auch vor – wobei der Durst – ob ich den so einfach … ich weiß nicht! Toll erzählt so richtig zum hineinfühlen un miterleben. Vielen Dank LG Marion

    • Sarah Maria

      Danke dir. <3
      Eine Kur habe ich noch nie wirklich gemacht - ist aber sicherlich auch eine tolle Erfahrung. Besonders, wenn man es schafft durchzuhalten. ;) Daran sind bisher sämtliche Kur-/Diät-Pläne bei mir gescheitert.... ;))

  13. Hallo Sarah Maria,

    interessanter Bericht. Finde ich echt mutig, so einen Versuch bei einem 19-Stunden Tag zu starten. Obwohl ich auch 12 Stunden nicht durchgehalten hätte :-)
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

    • Sarah Maria

      Danke. :)
      Und das mit den 19 Stunden habe ich erst erfahren, nachdem ich zugestimmt habe. ;)) Ich war also selbst Schuld. Sozusagen. ;)

  14. Großen Respekt. Ich weiß nicht ob ich so viele Stunden ohne Essen und vor allem Trinken durchgehalten hätte.
    LG, Diana

  15. Rabulist sagt

    Ich kann es wirklich nicht nachvollziehen. Auf Essen verzichten, ok, da kann ich noch folgen. Auf bestimmte Getränke zu verzichten, auch das kann ich noch nachvollziehen. Aber komplett auf das trinken von einfachem Wasser? Was für einen Sinn hat das? Das wäre für mich das gleiche, wie ein paar Minuten aufs Atmen zu verzichten: anstrengend und einfach nur albern. Ich sehe da auch den religiösen Zwang zum Verzicht auf Wasser als hochproblematisch an. Gut, Kinder bis zu einem bestimmten Alter sind davon ausgenommen, aber dennoch wird es eher wohlwollend betrachtet, wenn die Kleinen es trotzdem versuchen. Ich habe einige Freunde die in der Erziehung tätig sind und die haben mit solchen Kindern im Ramadan extrem zu kämpfen. Insbesondere bei unserer aktuellen Wetterlage, wo man zeitweise nur noch im Keller sitzen kann, ohne dass sofort der Schweiß in Strömen fließt, ist der Verzicht auf Wasser eine absolut hirnrissige Entscheidung und der Zwang bzw. die Nötigung dazu schon fast einer Körperverletzung gleichzusetzen.

    • Sarah Maria

      Mhmm. Ich denke, ich kann gut verstehen, dass sich einigen der Sinn nicht erschließt. Ist ja auch kein Problem – muss ja schließlich jeder selber wissen.^^ Für mich war der Tag eine tolle Erfahrung: Nicht nur, weil ich meine Grenzen sehr gespürt habe und mich lautstark mit meinem Willen auseinandersetzen musste (und dabei natürlich auch viel über mich selbst gelernt habe). Sondern: Ich fand es insbesondere sehr bemerkenswert, zu spüren, wie abhängig ich von der Umwelt bin.

      Für einen gesunden Erwachsenen ist der Verzicht auch kein gesundheitliches Problem. Kinder, Kranke, Schwangere und z.B. auch Reisende werden ja auch explizit aufgefordert nicht teilzunehmen. Einige Kinder werden aber langsam herangeführt: Indem sie z.B. erstmal einen halben Tag fasten oder später dann auch mal ein Wochenende mitmachen.

      Dass junge Erwachsene ab der Pubertät mitmachen, dürfte in den Schulen hier aber schon auffallen. Da stimme ich dir zu. Ist ja halt auch nicht ganz einfach für sie den Alltag einfach so weiterzuleben. Ich staune da echt immer wieder über meinen Kollegen, der in den letzten Tagen sogar noch etliche Überstunden gemacht hat!

      Da ist sicherlich auch die Rücksicht und Sensibilität der anderen SchülerInnen gefragt. Wäre ja vielleicht mal ein gemeinsames Projekt für Abi-Jahrgänge: Nicht einen ganzen Tag – sondern einen Schultag gemeinsam zu fasten. Natürlich nur mit Einverständnis aller Eltern und Teilnehmenden. Ist sicherlich nicht nur für das Gegenseitige Verständis hilfreich, sondern auch, um zu spüren, dass nicht alles selbstverständlich ist. Dass wir sorgsam mit unser Umwelt umgehen sollten. :)

  16. Anna sagt

    Schön das du das Ganze ausprobiert hast! Das ist ein schönes Zeichen des Verständnis.

    Aber ich muss dir als (konvertierte) Muslimin leider widersprechen, dass das Fasten dazu dient, hungernde Menschen zu verstehen. (Auch wenn das manche Muslime ebenso annehmen) Der Sinn des Fastens ist es Gottvertrauen zu erlangen. Das steht auch so im Koran und Nichts anderes. Das mit dem Mitgefühl ist eher ein netter Nebeneffekt. Nur zu Hungern bringt auch überhaupt nichts auf religiöser Ebene. Das Fasten ist in erster Linie eine spirituelle Übung. Man soll den Tag so viel wie möglich mit Beten und Gottesdienst verbringen um näher zu Gott zu finden.
    Zum Fasten gehört auch die Enthaltsamkeit von schlechten Worten und Taten. Einen Streit beim Fasten anfangen, ist zb. echt schlimm.

    Als Muslim kommt außerdem zum Fasten auch noch ein total arger Schlafmangel, da man in der Nacht stundenlang betet. Es gibt zb. das spezielle Ramadan-Gebet, welches in der Moschee stattfindet und ca. eine Stunde dauert. Nach dem Abendessen legt man sich also nicht gleich schlafen, sondern betet noch das Abendgebet, dann um ca. 23 Uhr das Nachtgebet und danach, wenn man es schafft, das ca. 1-Stündige Ramadan Gebet. Man verbringt außerdem viel Zeit mit Koran lesen, denn man sollte den Koran zumindest 1 mal im Ramadan komplett durchlesen.
    Das Ziel des Ganzen liegt auf der spirituellen Ebene. Man stärkt seine Beziehung mit Gott und man fühlt sich als ob man Bäume ausreißen kann. Es ist ein ganz anderes Gefühl ob man fastet und hungert, oder ob man fastet um Gott nähr zu kommen. Viele Muslime schlafen auch einfach am Tag oder sind echt schlecht drauf. Das ist aber nicht der Sinn der Sache.

    Ich stehe um 06 Uhr auf und gehe Arbeiten. Ich komme 18 Uhr von der Arbeit nach Hause. Der Tag endet ca. 23 Uhr. Um 2 Uhr heißt es wieder aufstehen zum Frühstück und Morgengebet. Das bedeutet, das ich fast die kompletten 19 Stunden auch auf den Beinen bin und etwas leiste und im Gegenzug nur 5- 6 Stunden maximal schlafe. Das funktioniert überhaupt nicht, wenn man hungert. Es ist ein Wunder, dass es überhaupt funktioniert. Es zeigt uns, das die weltliche Ebene absolut keine Rolle spielt und wir mit Vertrauen in Gott alles erreichen können und er uns dabei hilft unsere Willenskraft zu stärken. Die Süße des Glaubens und die Liebe Gottes ist im Ramadan noch deutlicher spürbar.

    (Übrigens glauben wir gar nicht an einen „anderen“ Gott, sondern an das was bereits zu Jesus, Moses, Abraham und Noah gesandt wurde.)

    Liebe Grüße, Anna

    • Sarah Maria

      Hey. Danke dir, liebe Anna! <3
      Ich habe das, was du beschreibst, so tatsächlich nicht mitbekommen. Habe aber zuvor selbstredend die, mit denen wir gefastet haben, dazu befragt: Sie haben mir das so erklärt, wie ich es beschrieben habe. In Ergänzung habe ich noch auf islam.de herumgelesen.

      Aber vielleicht liegt es auch irgendwie ein bisserl an mir: Dass ich den Fokus meines Berichtes auf meine persönliche Selbsterfahrung gelegt habe. Die Tatsache der Abhängigkeit von meiner Umgebung und meinen Willen, beschäftigt mich nach wie vor.

      An dem Abend - und auch an einem andren (da haben wir zwar nicht mitgefastet - aber hier bei uns groß gekocht) - gab es eher nur Spaß. Es wurde nicht gebetet. Aber von meinem Kollegen (er ist Deutscher) weiß ich, dass er z.B. noch fast 2h länger fastet. Es gibt da vermutlich die unterschiedlichsten Riten. Ich weiß ehrlich gesagt zu wenig über die Feinheiten - und ich möchte natürlich auch nicht einfach so daherreden.

      Darüber, dass Jesus im Islam ebenso als Prophet betrachtet wird, haben wir aber gesprochen: Im Zusammenhang damit, dass es im Islam keine Verkörperung von Gott geben kann, weil er nicht menschlich ist. Dass Jesus eben nicht der Sohn sein kann.

      Ich selbst bin halt nicht sonderlich religös - und würde mich als Vielleicht-Agnostikerin bezeichnen. Ja: Und mit ein bisschen mehr Ehrlichkeit eventuell sogar als Wunsch-Agnostikerin. ;) Mit dem Gedanken, dass Gott (wie im Islam) nicht materiell ist, kann ich jedenfalls schonmal viel mehr anfangen, als mit der Personifizierung in Jesus.^^

      • Anna sagt

        Ich empfinde es jeden Falls als sehr schönes Zeichen, dass du es mitgemacht hast. Das trägt doch viel zum gegenseitigen Verständnis bei.

        Ich versuche darum möglichst vielen Menschen die Info mit auf den Weg zu geben, dass es sich eben nicht um einen „anderen“ Gott handelt, da ich denke, dass hier eine Wurzel für viele Missverständnisse liegt. Aber schön, dass du darüber schon so gut informiert bist :)

        Ja das Fasten hat im Grunde viele Ebenen, es ist auch ganz gut für die Gesundheit. In wie weit man neben dem Nichts-Essen noch Handlungen durchführt und sich auf einer spirituellen Ebene darauf einlässt, hängt natürlich davon ab, wie man es schafft und wie viel Willen man noch dafür aufbringen kann. Und natürlich von der eigenen Persönlichkeit und Auslegung.

        Liebe Grüße!

  17. Wooow! Du hast meinen Respekt. Schöner Berichte und interessanter Einblick. Ich weiß auch nicht, ob ich das durchhalten würde, da ich schnell Kopfschmerzen bekomme wenn ich wenig trinke und dann noch verbunden mit meiner Migräne. :/ Aber ich komme in Versuchung das auch einmal auszuprobieren. :-)

  18. hört sich echt nach einem ziemlich aufreibenden aber auch spannenden experiment an. eine freundin von mir hat einige jahre lang auch gefastet, sie hat es tatsächlich auch an sehr langen arbeitstagen durchgehalten. das ist sicher eine körperliche und auch geistige grenzerfahrung. essen ist eine sache, aber trinken… immerhin hast du gezeigt, dass du der bessere sheldon cooper bist ;)

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