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Ramadan Kareem

Berlin Tempelhofer Feld

Es ist wieder soweit. Es ist Ramadan. Die Zeit, in der wir im Büro alles was Keks und Schokolade ist verstecken. Nur noch heimlich – und wenn keiner guckt naschen. Unseren Kollegen in aller Regelmäßigkeit voller Ehrfurcht anstarren. Am liebsten jeden Tag aufs Neue „Ramadan Kareem“ wünschen würden – und ihn ab Mittag schlicht nur noch krass finden. Ja! Spätestens seit ich ihn um 17:45 Uhr immer noch telefoniert-mailt-excelt gesehen habe: Im Büro! Wenn es mal wieder so richtig vor sich hin-bürot. Nun. Seitdem! Tja: Brauchen wir anderen uns immerhin und zumindest keine Gedanken mehr darüber zu machen, ob, wer, wann und überhaupt Mitarbeiter des Monats ist. Nie wieder. Denn der seht fest. Für die nächsten 10 Jahre. Mindestens.

Der Ramadan hat dieses Jahr am 06. Juni begonnen. Schluss ist am 5. Juli. Während dieser Zeit Essen und Trinken alle Muslime nur nach Sonnenunter- bzw. vor Sonnenaufgang. Sprich, zwischen ca. 2:50 Uhr und 21:50 Uhr wird gefastet. 19 Stunden! Ausnahmen gibt es nicht. Also für Menschen, die krank, alt, jung, schwanger, o.ä. sind – natürlich schon. Aber wer sich entschließt mitzumachen – der muss es halt eben auch durchziehen. Ich habe mich da erkundigt. Nicht bei meinem Kollegen – aber an anderer Stelle: Gänzlich aus Versehen mit offenen Mund in einen See fallen gilt nicht. Leider.^^

Diese Form des Mogel-Exception-Managements ist als Idee nun aber auch erst geboren, NACHDEM der Herr S. und ich im Zug. Kurz vor Hannover. Richtung Berlin. Zugesagt haben einen Tag mitzumachen. Mitzufasten. Es halt eben durchzuziehen. – Und uns langsam aber immer sicherer dämmerte, wie schwer das wird. Der Tag. Aber nun: Genau das ist eben auch eine der Grundideen dahinter – gewissermaßen: Gegen sich selbst anzutreten. Sich seinem Willen zu stellen. Eine sehr private Angelegenheit also. Sehr intensiv obendrein. Einen Monat lang.

Lügen. Und Unflätigkeiten sind ebenfalls Tabu. Das sollten sie zwar immer – aber in diesem Monat geht es um die Konzentration auf das Wesentliche. Auf sich selbst, ebenso wie auf das Miteinander. Um Selbstbeherrschung. Verzicht und Wertschätzung. Sex ist daher ebenfalls nicht erlaubt.

Ramadan persönlich

Der Herr S. und ich wollen es versuchen. Wirklich. Immerhin. Einen Tag. Den ich euch – das versteht ihr sicher aufgrund von Social Druck – nicht verraten kann. ;) Vorerst. Den weiß nur mein Kollege. Und natürlich die Crew, mit denen wir zum Fastenbrechen verabredet sind. Und ich. Und der Herr S. Und eigentlich mein ganzes Büro. – Tja. Und wir alle haben da gewisse Zweifel, dass wir es schaffen werden. Insbesondere die Sache mit dem Trinken halte ich nach wie vor für nahezu unmöglich. Ja! Aber: Nachdem ich heute zwei der Herren bei einer Wohnungsbesichtigung getroffen habe – bin ich mal wieder schwer beeindruckt: Um 17:30 Uhr. Topfit. Und inmitten der Auffassung heute wäre es echt easy. Ist ja nicht so warm – schließlich.

Aber immerhin: Twitter, Snapchat und Instagram machen Mut: Spülen mir nun seit Montag das Netz voll mit Bildern von Menschen, die kurz vor Sonnenaufgang einen 5-Liter-Kanister-Wasser gen Lippen bewegen. In komisch-dramatischen Meme-Szenen. Um den Tag zu schaffen. Irgendwie. Nun. Danke Internet. <3

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Am 11. Juni war es dann soweit – da haben der Herr S. und ich mitgemacht:
https://sarahmaria.de/ramadan-fuer-einen-tag/

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  1. Pingback: Ramadan für einen Tag - Sarah Marias Blog

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