Umwelt- & Naturschutz
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Bremer Stadtbienen

Bremer Bienenkiste

Ihr wisst ja: die Bienen haben es mir derzeit angetan. Seit ich regelmäßig Besuch von ihnen bekomme, frage ich mich, woher sie eigentlich kommen? Wie weit sie fliegen? Und wie viele Bremer Bienen es insgesamt gibt?

Beim Googeln bin ich recht schnell auf die Seite Bienenkiste.de gestoßen, auf der HobbyimkerInnen sich informieren, austauschen und vernetzen können. Dort bin ich auf die Kontaktdaten des Bremer Stadtimkers und Architekten, Norbert Szameitat, gestoßen. Habe bei ihm angerufen und mich kurzerhand zu einem Treffen mit ihm und seinem Bienenschwarm verabredet.

Bremer Bienenkiste

Bienen lassen sich nämlich hervorragend in der Stadt halten. Dort finden sie jede Menge Nahrung: Und das nicht nur im Frühjahr, wenn auf dem Land der Raps in voller Blüte steht – dies tut er nämlich exakt so lange, bis von einem Tag auf dem anderen alles abgeerntet ist. Hinzu kommt, dass die Pflanzen in der Stadt oftmals weniger belastet sind. Klingt paradox – aber Bienen selektieren nicht zwischen bio und konventionellen Feldern. Sie fliegen oftmals bis zu drei Kilometer weit, um Honig zu sammeln. Auf diesen drei Kilometern kommt für sie alles in Frage, was bunt ist und Honig verspricht. Alles außer rote Blüten. Denn rot können sie nicht sehen.

Es fliegt natürlich nicht jede Biene für sich, sondern um neue Nahrungsquellen auszumachen gibt es Späherinnen, die den Sammlerinnen diese Informationen im Bienenstock vortanzen. Die Bewegungen in Form einer kreisenden Acht enthalten Infos zur Himmelsrichtung und Entfernung des Nektars. Einmal mit dem Weg ausgestattet, gibt es für die Bienen kein anderes Ziel mehr. Sie fliegen dorthin – und zwar nur dorthin! Selbst wenn sie unterwegs an noch so saftig-säuselnden Blüten vorbeifliegen: Sie halten nicht an. Nie.

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Zurück im Stock werden die Sammlerinnen von den anderen Bienen schon erwartet. Sie pressen den Nektar aus ihrem Honigmagen, damit ihn eine der Arbeiterinnen aufnehmen und im Stock sicher verstauen kann. Dann geht’s sofort weiter für die Sammlerinnen – zurück zu den Blüten. Um ein Pfund Honig zu sammeln, müssen die Bienen rund 40.000 Mal ausfliegen.

Der Honig ist nicht nur zur Aufzucht der Brut wichtig, sondern vor allem auch Nahrung für die Winterbienen. Die Bienen im Sommer leben nur 30-35 Tage, wohingegen Winterbienen 6 bis 7 Monate alt werden. Sie bleiben im Stock und sichern das Überleben des Bienenstaates.

Damit ein Bienenvolk auch auf einer Balkon- oder Garten-Bienenkiste überwintern kann, muss sie ausreichend groß sein. Denn die Kerntemperatur im Stock muss trotz Minusgraden bei ca. 22-25 °C gehalten werden. Die Winterbienen bilden eine Art Kugel, die stetig von außen nach innen zirkuliert, um allen Bienen die nötige Wärme und Nahrung bereit zu halten.

Bienenkiste mit Dach

Ein solches Kräuterdach wie bei dieser Balkon-Bienenkiste schützt nicht nur vor Nässe und Kälte, sondern lässt sich auch hervorragend als erste Nahrungsquelle für die Bienen bepflanzen.

Bienen kommen übrigens nicht einfach so. Sie ziehen nicht irgendwann von selbst ein, weil sie die Kiste so hübsch finden: Sondern einen Bienenstaat samt Königin bekommt man vom Imker. Natürlich auch nicht einfach so. Zum Einen muss man die Haltung anmelden und zum Anderen empfiehlt es sich a) die Nachbarn vorher zu fragen und b) eine Imkerschulung zu besuchen. Dass ein Bienenstaat auf dem Balkon (oder sonstwo) auch mit Verantwortung verbunden ist, sollte jedem einleuchten.

Jedenfalls: Die Bienen werden vor dem Umzug in das neue Heim für mehrere Stunden in „Kellerhaft“ gehalten. Das bedeutet sie werden in eine dunkle Kiste gesperrt und somit ihrer Orientierung beraubt. Für den bevorstehenden Umzug wird vor dem Flugloch ein Tuch ausgelegt, die Bienen werden einfach hinaufgesetzt und laufen dann in einer doch sehr sortierten Prozession in die Kiste hinein: z.B. hier in diesem Video zu sehen. Nach dem Einzug darf die Kiste nicht mehr bewegt werden – auch nicht wenige Meter, weil die Bienen sie sonst nicht mehr finden. Sie würden orientierungslos am Ort des ehemaligen Standortes des Fluglochs umherirren.

Balkon-Imker

Einmal eingezogen, kümmern sich die Bienen größtenteils um sich selbst. Sie ziehen ihre Brut auf und legen Vorräte an. Die Bienen von Norbert sind in diesem Jahr eingezogen – und haben noch reichlich Platz, um sich zu vergrößern. Der hintere Teil in der Kiste ist der Honigraum. Er bleibt im ersten Jahr leer. Erst im zweiten Jahr ist der Bienenstaat so groß, dass er diese zusätzlichen Vorräte anlegt. Erst dann kann zum ersten Mal Honig geerntet werden. Andernfalls nimmt man den Bienen die nötige Nahrung für die Wintermonate.

Rauch und Bienen

Ganz sich selbst kann man die Bienen jedoch auch nicht überlassen. Denn der größte Feind der hiesigen Bienen ist seit einigen Jahrzehnten die Varroamilbe. Sie wurde aus Südostasien eingeschleppt und ist heute nahezu weltweit verbreitet. Nur Australien und die Antarktis sind bisher von ihr verschont geblieben.

Die Milben setzen sich in der Brut der Bienen fest – und zerstören diese. Regelmäßige Kontrollen und fast immer auch Maßnahmen sind daher unerlässlich. Es gibt zwar mittlerweile Bestrebungen resistente Linien zu züchten, aber die Erfolge schreiten nur langsam voran. Leider.

Die rasante Ausbreitung der Milbe wurde und wird dadurch begünstigt, dass viele Profi-Imker mit ihren Völkern von riesigen Plantagen zu Plantagen und Feldern zu Feldern reisen, um dort die Pflanzen der Landwirte zu befruchten. Doch bei dieser Art der Haltung sind nicht nur Milben eine Gefahr für die Bienen. 2008 kam es z.B. zu einem Bienen-Massensterben. Laut BUND sind zehntausende Bienenvölker durch den Einsatz von Clothianidin (einem Neonicotinoid/ Pestizid) gestorben oder schwer geschädigt worden.

Hier (Ökotest.de) habe ich einen Artikel gefunden in dem laut eines Berichtes der Vereinten Nationen (UNEP) der Beitrag von Bienen als Bestäuber in der weltweiten Landwirtschaft auf 153 Milliarden Euro geschätzt wird. Es wird außerdem in dem Bericht darauf verwiesen, „dass von 100 Pflanzenarten, aus denen weltweit 90 Prozent der Nahrungsmittel erzeugt werden, 71 von Bienen bestäubt sind.“

Bienenwaben

Zurück zu den Milben: Um die Bienenkiste auf die Milben zu überprüfen braucht es vor allem eins: Einen geschulten Blick – und etwas Rauch, um die Bienen zu beschäftigen. Und zwar mit der Vorbereitung zur Flucht: Wenn sie Rauch wahrnehmen kriechen sie in den Stock und schlagen sich die Mägen mit Honig voll. So viel, dass sie drei Tage ohne Nahrung auskommen und die Flucht antreten könnten. Vorausgesetzt die Temperatur steigt und das von ihnen durch den Rauch angenommene Feuer kommt tatsächlich auf ihren Stock zu.

Es empfiehlt sich zudem auf die Hilfe vom zuständigen Veterinär zurückzugreifen. Ganz besonders bei anfänglicher Unerfahrenheit in Sachen Bienen. Denn die Milbe sitzt in den Waben und lässt sich nur schwer erkennen. Wenn überhaupt. Der erste Bienenstaat, der die Kiste von Norbert bewohnte, ist trotz regelmäßiger eigener und tierärztlicher Kontrollen im letzten Jahr an der Varroamilbe gestorben.

Ein Glas von ihrem Honig durften der Herr S. und ich allerdings mit nach Hause nehmen – und haben natürlich auch gleich probiert. Es schmeckt wunderbar nach der unmittelbaren Nachbarschaft der Bienenkiste: Nach Lindenblüten.

Bremer Stadthonig

Das Treffen hat den Herrn S. und mich sehr begeistert und wir sind seitdem noch angetaner von der Idee des Stadtimkerns. Mittlerweile haben wir uns auch beim Bremer Imkerverein für die Ausbildung zum Imker im nächsten Frühling angemeldet. Und haben dabei gleich noch erfahren, dass in und um Bremen ca. 1500 wilde und nicht-wilde Bienenvölker leben. Drückt uns die Daumen, dass wir auch einen Platz bekommen, denn die Plätze sind äußerst rar und begehrt.

Vielen Dank an Norbert für die spannenden Einblicke! :)

29 Kommentare

  1. Seeeehr interessanter Artikel. Wusste gar nicht, dass man in der Stadt Bienen züchten kann. Und dass die kleinen Flieger rot nicht mögen, ist ein super Tipp. Werde jetzt immer rot tragen :) dann bleiben sie mir fern. Ich find die Idee des Imkerns echt toll und würde ich sogar auch machen, wenn ich nicht so Schiss hätte haha…

    LG Susi

    • Sarah Maria

      Danke dir Susi! Das freut mich. Sehr. :)
      Schiss braucht man eigentlich nicht haben. Es ist auch nicht so, dass uns dort auf dem Balkon permanent hunderte von Bienen um den Kopf geschwirrt sind, sondern hier und dort ist mal eine geflogen. Sie haben ja auch immer eine sehr genaue Flugroute zu den Blüten gespeichert. Anders als Wespen gehen sie außerdem nicht wirklich auf Kuchen und Getränke los. Man sieht sie eigentlich nur, wenn sie kommen – und wieder ausfliegen.

    • Wolfgang Engelhardt sagt

      Hallo Susi keine so große Angst vor Bienen die meisten stechen nicht wenn nicht nach Ihnen geschlagen wird.Ganz richtig ist das auch nicht das Bienen kein rot sehen,Sie sehen die Farbe rot nur als schwarz.In meiner Familie hatte mein Opa dann mein Vater und nun ich Bienen und wir wurden und werden zwischen durch auch mal gestochen,aber ich muss sagen das weder mein Opa noch mein Vater und ich auch nicht an Reuhma leiden oder gar die Gicht hatten.Es muss was daran sein an den alten Sagen,Sticht dich eine Biene bekommst du kein Reuhma.Gruß Wolfgang

  2. Wunderbarer Artikel, man spürt, dass dein Herz für’s Imkern schlägt. Ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass ihr die Plätze bekommt.

    Liebe Grüße,
    Eva

  3. Ein toller Beitrag!
    Ich musste in der 8. Klasse mal ein Referat über Bienen halten und habe mich da voll reingehängt, daher wusste ich einige Daten schon :D
    Das Bienen in der Stadt gut aufgehoben sind, hätte ich jetzt allerdings nicht erwartet.

    Lieben Gruß ♥

  4. Yeah coole Sache!
    Das freut mich!
    Ich selbst bin total froh nach jahrelangem Überlegen den Schritt gewagt zu haben! Ich würde nicht mehr ohne meine Bienen sein wollen. =)

    Und Du hast recht, vor Bienen muss man keine Angst haben. Die stechen nicht einfach so. Ich erlebe oft, dass viele Bienen von Wespen nicht unterscheiden können und wenn am Tisch dann mal was nervt, ist es eben eine Biene, dabei war das Tier gelb gestreift.
    Aber fast alle sind sehr interessiert und legen gerne ihre Vorurteile ab, das ist schön. =)

    Ich bin gespannt auf Deinen Start mit den Bienen! =)
    Ich selbst habe 2 verschiedene Imkergrundkurse besucht und viele nette Menschen kennen gelernt. =)

    Liebe Grüße,
    Sarah =)

    PS: Bist Du mit Deinem Blog mal umgezogen? Ich bin Dir vor einiger Zeit schon mal gefolgt, muss den Umzug aber irgendwie verpasst haben. =/

    • Sarah Maria

      Oh. Ja. Ich bin auch schon ganz gespannt. Übernächste-Woche gehen wir zum ersten Mal zu einem Imker-Stammtisch hier in Bremen. Freue mich schon richtig auf die Leute. :)

      Und ja: ich bin dieses Jahr hier her umgezogen. Wollte gerne auf eine eigene Domain – und auch einen eigenen Server. Hatte das schon lange vor – aber wie das immer so ist, hatte ich irgendwie nie die Zeit. Diese Domain hier gab’s beim Umzug schon seit fast einem Jahr – und es wurde wirklich mal Zeit. :D

  5. Liebe Sarah-Marie, das ist ja höchst interessant.
    Dass sie umgesiedelt werden können, wußte ich nicht.
    Das Video ist einfach super. Wie sie alle da rein marschieren.
    Aber deine Fotos sind auch genial.
    Du möchtest also Imkerin werden. Alle Achtung!
    Eine spannende Sache.
    Meinem Mann hat übrigens Propolis geholfen, Antibiotika halfen nämlich nicht.

  6. Interessanter Blogpost! :)

    Auf die blöde Milbe bin ich jetzt auch grad mächtig sauer … hoffentlich wird das bald etwas mit der resistenten Bienen-Züchtung.
    Habt ihr euch eigentlich schon die Zustimmung aller Nachbarn und des Vermieters eingeholt? Ich würde das wahrscheinlich abklären, bevor ich mich mit möglicherweise falschen Hoffnungen in eine Imkerschulung stürze.
    Drücke euch aber natürlich die Daumen, dass alles wunschgemäß klappt! :)

    LG Su

  7. Die armen Bienchen … ich habe mir noch nie so Gedanken darüber gemacht, welche Feinde eine Biene so haben könnte. Dachte immer, der Mensch macht alles kaputt … aber auf Milben wäre ich im Leben nicht gekommen. Fies.

    • Sarah Maria

      Vieles kommt auch von dem Menschen – oder wird durch ihn verstärkt. Aber bei den Bienen ist es leider derzeit so, dass die wenigsten Völker eine Chance hätten zu überleben, wenn sie nicht dabei durch Behandlungen unterstützt werden. Leider.

  8. danke wieder für die interessante Information.
    Und dann noch die schönen Bilder von dem Treffen mit dem Bremer Stadtimker. Das ist auch am Bildschirm ein Erlebnis :-)

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

  9. Ein ganz tolles und interessantes Posting! Mein Großvater war Imker, nur leider hab ich das meiste, was er mir als Kind erklärte, inzwischen vergessen. Aber auch hier in Wien werden an den „seltsamsten“ Orten Bienen gezüchtet. Zum Beispiel bei einem Krankenhaus und der Anästhesist ist für die Bienen zuständig! :)
    Liebe Grüße Mary
    PS: Halte natürlich die Daumen!

    • Sarah Maria

      Haha. :)
      Das ist wirklich ein ungewöhnlicher Ort – aber schön zu hören, dass es überall Unterstützung für die Bienen gibt. :D
      Danke dir für’s Daumendrücken! <3

  10. Wieder ein toller Beitrag; Danke und der kerl hatte auch schon mal daran gedacht sich ein bienenvolk zuzulegen, aber nie umgesetzt,ich sollte ihn mal lesen lassen. .-) l.g alex

  11. Hilke sagt

    Mein Vater ist ja seit er Rentner ist auch ein Hobbyimker. Früher mochte ich Honig nicht, aber mein Geschmack hat sich im Laufe der Zeit verändert (auch weil ich solche guten Dinge mittlerweile zu schätzen weiß) und nun muss ich immer ein Glas von seinem Honig hier haben. :)
    Mit der Milbe hatte er auch schon zu kämpfen gehabt und weniger Völker wie früher schwirren bei ihm (auf dem Land) nun herum. Wenn man dann noch die Monokulturen auf dem Land ansieht, dann glaube ich gerne, dass die Bienen in der Stadt leichter was finden. Ich bringe daher meinen Eltern jedes Jahr von Alnature die Bienenschmaus-Tüten mit Samen von Blumen mit, die gerne von Bienen angesteuert werden.
    Ansonsten empfehle ich noch den Film „More than honey“, der sehr interessant ist (auch was das Problem Varroamilbe angeht).
    Viel Spaß und gutes Gelingen mit deinen Bienchen! :)

    • Sarah Maria

      Das geht mir wie dir!
      Früher mochte ich auch eher milden, blumigen Honig – aber jetzt mag ich’s auch gerne kräftig und intensiv. Ich finde es irgendwie schön, wenn man das volle Aroma herausschmeckt. :)

  12. super interessanter beitrag, ehrlich! ich wollte mich auch schon länger mal mit dem thema bienen beschäftigen, inzwischen ist ja allseits bekannt, dass es immer weniger von ihnen gibt.. ich habe deshalb im sommer ein insektenhaus auf dem balkon aufgestellt, aber bisher wollte noch niemand einziehen :D

  13. Pingback: Wie Bienen schlafen - Sarah Maria's Blog

  14. Pingback: Bremer Fisch und Feines Messe 2014 - Teil I • Ich-mags

  15. Philipp sagt

    Ich dachte immer, dass es ist ein steigender Rückgang bei Bienen und Imkern und deshalb noch umso wichtiger, wenn Leute Imkern. Jetzt schreibst du, es gibt nur wenige, begehrte, Plätze. Was stimmt?
    Oder ist Imkern in der Stadt beliebt, auf dem Land hingegen mit Nachwuchsproblemen?

    • Sarah Maria

      Genau genommen stimmt beides: Einerseits gibt es immer weniger Imker und Imkerinnen, die Bienen halten und gleichzeitig gibt es nicht viele Plätze für Schulungen. Leider geht das Hand in Hand.

  16. Pingback: Biene * Blüte * Foto = Glück - Sarah Marias Blog

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