Leben, Dies, Das & Ich
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Du kommst nicht VORBEI!!

Umzug Bremen - Mülldeponie

Foto (5)

Einige von euch wissen es vielleicht schon: Ich ziehe um. Zumindest offiziell. Faktisch ändert sich nicht viel: Ich löse meine Wohnung auf und wohne weiterhin dort, wo ich das letzte halbe Jahr sowieso schon gewohnt habe – nämlich beim Herrn S.

Und für diesen Umzug habe bzw. hatte ich exakt drei Monate Zeit: Denn an meiner 3monatige Kündigungsfrist ließ sich keine Sekunde rütteln. Was wiederum zur direkten Folge hatte, dass ich in den letzten zwei-1/2 Monaten nicht sonderlich viele Finger gerührt habe: So dass mir jetzt ein stressiger halber bleibt. Alles wie immer – also.

Am Wochenende, nach den besprochenen Wochen der Prokrastination, wirbelten der Herr S. und ich quer durch meine Wohnung. – Und den Keller. Genau diese Art von Keller, der seit Einzug konsequent als Schwarzes Loch imaginiert wurde und mich in entrücktes Erstaunen versetzte: Es war noch allsämtlich alles genau dort, wo ich es in den letzten Jahren abgeladen hatte. Alles ruhte sicher bis unter die Decke gestapelt vor sich hin. Ein alter Mini-Backofen und Fernseher (2x), Holzbalken und Winkel vom alten Hochbett (wenn jemand will, meldet euch gerne!!), alte Drucker, volle Umzugskartons vom letzten Umzug, Boxen, Wasserkocher, CD’s – und Klamotten. Jede Menge an Unmengen Klamotten.

Nun. Ihr ahnt es schon: Problematischerweise kann ich mich nicht gut trennen. Von nix. Wirklich gar nix. Es war schlimm. Für uns beide. Der Herr S. und ich haben um jede alte Kinder- und VHS-Kassette gefeilscht; die allesamt in diesen Momenten wie die geballte Reinkarnation meiner Kindheit glitzerten. Sangen. Tanzten. Durch Blumenwiesen tollten. Schlimm. Meine alte, dunkelgrüne, extra hässliche Schultasche war mit einem Mal mindestens so wertvoll wie der sprechende Hut aus Harry Potter. Ja. Vor allem optisch war die Verwandtschaft nicht von der Hand zu weisen. Und trotzdem: Sie musste dran glauben. Der Mann zeigte keinerlei Gnade. R.I.P. Tasche! – Eine andere habe ich in einem akribisch vorbereiteten Moment seiner Unaufmerksamkeit, in einem der Umzugskartons verschwinden lassen. Aber sagt es ihm besser nicht, liebes Internet. Er wird böse.

Irgendwann ging es tatsächlich und mit vollem Transporter Richtung Mülldeponie im Bremer Blockland. Dort wird man ausnahmslos alles los – und das kostenlos. Man muss nur gut sortieren und nach drei Extrarunden durch den Container-Drive-In hat man das System auch voll drauf! Ja, kann sogar vor anderen hilf- und planlosen Besuchern mit Fachwissen glänzen.

Zurück in der alten Wohnung sollte es vollgepackt zur anderen Wohnung gehen. Alles war im noch für 2h gemieteten Groß-Auto. Die Klappe ging zu. Der Mann fuhr. Bis zur neuen Straße. Es lief. NICHT! Denn wir kamen nicht rein. Wurden schlichtweg nicht reingelassen. Der SV-Werder Bremen, vertreten durch einen älteren Herrn in Warnweste und einem Absperrgitter, entschied, dass wir dort nicht reinfahren. Gar nicht. Auch nicht kurz.

Ihr müsst wissen, dass bei jedem Heimspiel die Wohngebiete rund ums Stadion für Autos gesperrt werden: Um (welch Ironie) uns Anwohner davor zu schützen, dass ihre Straßen als öffentliche Parkplätze missbraucht werden. Die Anwohner – vorausgesetzt sie haben einen Passierschein – dürfen natürlich trotzdem reinfahren. Also theoretisch. Wenn es dem jeweiligen Despoten des Absperrgitters gerade passt. Natürlich nur.

Der Herr S. und ich jedenfalls standen mit dem Auto, mit dem Umzug in der Einfahrt der Straße. Und kamen nicht rein. Vollends egal, wie verzweifelt wir dem Herrn die Personalausweise mit Passierbarer-Meldeadresse vordeklinierten. Keinen Passierschein. Kein Durchkommen. Hinter uns staute sich der Verkehr in Form von Straßenbahnen. PKW’s. Werder-Fans. Und anderen Fans. Bestimmt auch LKW’s. Und wer weiß was noch.

Der Nachbar kam dazu. Versuchte ebenfalls auf den Mann in der Weste der Macht einzuargumentieren. Es ging nicht. Und es war ihm offenbar auch äußerst egal, was nun mit uns, den Sachen, dem abzugebenen Mietwagen und unseren Nerven passiert. Ohne Passierschein kein Umzug. Deutschland since 1871. Wir durchliefen fortan verschiedene Stationen der Trauer: Nichtwahrhabenwollen. Wut. Schmerz. Hilflosigkeit. Und irgendwann tatsächlich: Akzeptanz:

Wir wendeten. Parkten gegenüber in einer Seitenstraße. Ich zog mein Handy aus der Tasche und googelte. Man kann natürlich nicht einfach bei Werder anrufen. Das wäre zu einfach. Es gibt im Übrigen auch keinen Teamleiter in der Nähe und der werte Herr in Warnweste gab uns die Telefonnummer seiner Firma nichtmal als Sodoku heraus.

Praktischerweise weiß Google tatsächlich alles: In dem Fall heißt die Antwort „Elko“. Es war nun schon 13:53h und ich rief die zentrale Warteschleifen-Nummer von der Website an. Es wurde verbunden und weiterverbunden. Mir wurde Klärung versprochen. Und sogar die Polizei, die das regeln sollte. Es passiert natürlich NICHTS! Herr S. resignierte nun vollends, lieh sich vom Nachbarn eine Sackkarre und begann das nun ca. 300 Meter entfernte Auto auszuladen. Über die Ampel durch die bierig grinsenden Werder-Fans, über das Kopfsteinpflaster bis zu unser Wohnung. Dem Mann in Warnweste war weiterhin alles egal.

Es war mittlerweile 14:24h. Ich rief erneut bei Elko an. Ich wurde wieder weiterverbunden. Mir wurde wieder Klärung versprochen. Es passierte wieder nix. Und dann. Kurz nachdem der Herr S. mit der letzten Fuhre über die Ampel, durch die Werder-Fans hindurch in unsere Straße einbog, haben es die Damen und Herren von Elko tatsächlich geschafft ihren Mitarbeiter unter Kontrolle zu bekommen. Wir durften offiziell passieren.

Hurra.
Nicht.

Denn das Auto musste zurück. Dringend. Sehr dringend. Hätten wir es zwei Minuten später abgegeben, wären was weiß ich für Überziehungskosten über uns niedergehagelt. Tja. Und, was besonders schön ist: Wir dürfen nächstes Wochenende wieder eins mieten – um den Rest abzuholen. Die geplante zweite Fuhre haben wir nämlich nicht mehr geschafft.

30 Kommentare

      • Denn machen wir uns doch nichts vor: Dieses Verhalten des Werder-Mitarbeiters ist ja psychologisch nichts anderes als das Ausnutzen einer einmaligen Chance, quasi eine Übersprungshandlung: Endlich mal keinen reinlassen.

        • Sarah Maria

          Du sagst es! Genauso hat’s gewirkt. Die Tatsache, dass mein Umzug am Samstag nicht bzw. nur zu einem kleinen Teil stattfinden konnte, hat er nicht eine Sekunde bedauert, sondern es – wie mir schien – auch noch äußerst ausgedehnt genossen.

  1. Liebe Sarah, ein wundervoller Post! Weißt Du, warum solche Sachen passieren? Damit man darüber schreiben kann! Den Umzug wirst Du wohl nie vergessen :-)..Und ich fühle so mit Dir mit dem Aussortieren! Du = Ich, Dein Herr S. = mein Lieblingsmann!
    Aber alles wird gut und auch Du wirst bald darüber schmunzeln können ;-)
    LG, Nadine

    • Sarah Maria

      Haha. Ja. Damit werde ich dann noch meine Enkel nerven. ;)
      Aber du hast Recht – irgendwann, wenn man nicht mehr in der Situation steckt wird’s dann lustig! Und ich bin SEHR froh, dass ich mit meinem Sammel-Wahn nicht alleine bin.

  2. Herrlich geschrieben. Ich habe die verschiedenen Verzweiflungsstadien mit durch erlebt.
    Da hat einer die ihm übertragene Macht ausgespielt. Endlich mal jemandem sagen, wo’s langgeht – pardon, wo es nicht langgeht. Wir hatten neulich ein ähnliches Erlebnis mit aufsichtsführenden Personal. Wir haben aber aus Stress sparenden Gründen gleich den Resignationsmodus eingeschaltet.
    LG Christiane

    • Sarah Maria

      Das wirklich Schlimme war ja, dass wir keine Wahl hatten, wir mussten irgendwie, wie auch immer das Zeug aus dem Auto in die Wohnung bekommen. Dass der Typ uns damit komplett in der Hand hatte, hat ihn mit seiner Weste mindestens 10cm wachsen lassen. Er findet sich deswegen bestimmt immer noch ganz dufte. – Weil er mal so richtig durchgegriffen hat. Oder so. Keine Ahnung, was in solchen Menschen vorgeht. Sie gruseln mich.

  3. Oh, also läuft das nicht nur hier in Bayern so … schrecklich.
    Aber das Eine stimmt, darüber werdet Ihr in Jahren noch erzählen, und hoffentlich auch lachen können!
    danke für Deinen Kommentar, herzliche Grüsse
    Elisabeth

  4. Wer kennt sie nicht, diese schwarzen (Keller-)Löcher in denen man am liebsten alles verschwinden lässt, was gerade einfach keinen Platz findet. Wenn bei uns das Arbeits- und Wohnzimmer getauscht und umgeräumt ist, geht es wohl auch unserem Keller an den Kragen. x.x“ Die Feilsch-Szenerie mit Herrn S. kann ich mir lebhaft vorstellen. ^^
    _____________

    Die kleine Hexe ist ja auch wirklich toll. ^^

    Liebe Grüße
    Shanee

    • Sarah Maria

      Ja. Irgendwie lernt man niemals draus. Man räumt und sortiert wie blöd – um dann wieder alles vollzurümpeln. Und in ein paar Jahren steht man dann wieder vor dieser Wand…. Irendwas. Und weiß nicht, wohin damit. :D

  5. Das hast du wirklich sehr witzig geschrieben! Vor allem die Schilderung deines Kellers, fast vergessen und dann als Schatzhöhle wiederentdeckt, hat mich wirklich zum schmunzeln gebracht…
    Was man nicht alles an Hürden überwinden muss, um in eine neue Wohnung ziehen zu können.
    Und dann noch dieses Ausladen und Passieren… also an dem Tag hätte ich wirklich nicht mit euch tauschen wollen!
    Ich hoffe die Ankunft in deiner neuen, richtigen Bleibe war dann schöner. ;)

    Das stimmt!
    Allerdings fällt es mir seltsamerweise leichter sofort in den Urlaubsmodus umzuschalten, wenn es ums Herumreisen geht. Jeden Tag wo anders usw… da schalte ich total ab. Am Strand würde ich nur grübeln und dann würde mir erst recht einfallen, was ich daheim alles liegen habe lassen.

    Dankeschön! ;)
    Ich habe die Fotos aber nur so nebenbei, während einem Shooting gemacht.
    Ich muss generell sagen, dass die Lichtung sehr hübsch ist, weil die Bäume etwas weiter auseinander stehen und da meistens auch recht viel Licht rein kommt. Im Gegensatz zum „normalen“ Wald, ist es dort etwas einfacher zu fotografieren.

    • Sarah Maria

      Also schön ist es hier in der neuen Wohnung! Allerdings ein bisserl eng. Wir haben nur zwei Zimmer. Aber wir wollen hier auch nicht ewig bleiben. Es war nur echt verrückt, dass ich immer jeden Monat Miete gezahlt habe, aber maximal zum Blumengießen dort war – über ca. 6 Monate. Habe im letzten halben Jahr vielleicht ein oder zwei Mal dort übernachtet. Deswegen habe ich die Wohnung jetzt mal gekündigt. Und in einem Jahr oder so wollen wir uns dann zusammen was größeres Suchen. Solange bleiben wir erstmal hier. :)

  6. meine Güte … das war nicht gerade einfach (aber witzig zu lesen *g*).
    Jetzt wünsche ich dir aber vor allem eine schöne Zeit in der neuen (eigentlich ja schon alten) Wohnung – und euch beiden eine ganz wunderbare Zeit zusammen.

    Herzliche Grüße von Heidi-Trollspecht

  7. Umzüge im Viertel sind immer ein ganz spezielles Vergnügen. Wir vermeiden in unserem Freundeskreis auch stets, dass sich diese Termine mit irgendwelchen Werder-Spielen kreuzen. Die Anwohnerkarte war auch mit das erste, was ich mir nach dem Umzug besorgt habe. Bei den Ordnern gibt es aber in der Tat ganz spezielle Exemplare: mein Freund hat vor kurzem sogar einen erlebt, der ein Taxi nicht rein lassen wollte.

    • Sarah Maria

      Wir haben ja kein eigenes Auto, sondern benutzen Cambio. Deswegen haben wir nie so eine Karte beantragt. Aber auch davon wollte der Mann in Weste nix wissen. Arrrg. :D

      Na ja: Und nächstes Mal sind wir auch schlauer und studieren erst den Werder-Spielplan. ;)

  8. Ach mei, was für ein blöder Fatzke. Der musste sich wohl wichtig machen.
    Du hast das ganze sehr amüsant aufgeschrieben. Trotzdem wünsche ich dir, dass der restliche Umzug stressfreier klappt.
    Und ich wünsche euch ganz viel Spaß beim zusammen wohnen!

    • Sarah Maria

      Danke! <3
      Wir sind jetzt mit dem Transport auch durch. Hurra! Und nun wird eingeräumt....
      Allerdings wartet in meiner Wohnung noch weitere Arbeit: Mein Hochbett abbauen, renovieren, etc. pp. *würg* ;)

  9. Oje, über so etwas kann man sich wirklich verdammt ärgern. Aber solche Sachen passieren eigentlich immer dann, wenn man es schon eilig hat.

    lg kathrin

    • Sarah Maria

      Du sagst es! :D
      Aber solche Leute riechen das irgendwie: Und nutzen jede Möglichkeit Menschen das Leben schwer zu machen. Keine Ahnung, was bei diesem Ordner schief gelaufen ist, aber er verteilt es jetzt wohl einfach weiter in die Welt…. :/

  10. Obwohl ich selbst nicht betroffen war, habe ich mich während des Lesens total aufgeregt…ich kann es einfach nicht leiden, wenn andere Menschen mich durch ihre Dickfelligkeit und ihr äußerst unsoziales Verhalten in meinem Leben und Handeln einschränken bzw. behindern….!! Ich wäre wahnsinnig geworden, was für ein Erlebnis das gewesen sein muss!!

    • Sarah Maria

      Oh ja! Genau das hat mich auch echt verrückt gemacht und mich an meine sozialen Grenzen gebracht: Dass wir nix, aber auch gar nix tun konnten. Dieser Mann war dermaßen resistent gegen Argumente und Vorschläge zur Güte, dass es uns irre gemacht hat. Mir fiel es echt schwer (einigermaßen) ruhig zu bleiben und nicht einfach unkontrolliert rumzuschreien….

  11. Hi Sarah!
    Also, das mit der Prokrastination kenne ich nur zu gut… und auch das Problem sich von nihts trennen zu wollen, aber dringend zu müssen, weil alles aus allen Nähten platzt. Wenn man dann noch so ein regelmäßiger Flohmarktgänger ist wie ich… nunja, du kannst es dir denken ;-) Doe wünsche ich viel Erfolg beim Beinesuchen, auch wenns erst nächstes Jahr wieder was wird.
    GLG Johanna

  12. Hallo Sarah,
    ich bin vor einem Jahr auch mit meinem Partner zusammengezogen. Ich sortiere noch heute aus :-) Tja und das mit den Videos kann ich ziemlich gut verstehen … lach…
    Eine ähnliche Situation hatte ich übrigens auch, ich stand diesem „Ordner“ gegenüber und wir konnten uns so richtig nicht leiden :-) Ich habe auch nicht nachgegeben bis ich durchgekommen bin. Das war einer vom THW – manchmal denke ich, die haben nicht umsonst diesen Job, die kompensieren, da so einiges :-)
    LG. Bärbel

  13. Oha, für einen Umzug ist es bei mir längst zuspät, zuviel hat sich schon angesammelt. Naja, eigentlich nicht mal verkehrt, ein bißchen auszumisten, auch wenn es schwer fällt. Ansonsten naja, ziemlich ärgerlich, wie das alles gelaufen ist.

    LG Romy

  14. Liebe Sarah,
    trotz Deines Ärgers, der mir nun wirklich sehr leid tut weil ich selbst weiß wie stressig ein Umzug an sich schon ist – musste ich dennoch das ein oder andere mal über deine Zeilen grinsen.
    Ich sag nur Tasche *flöt*
    oder auch die leicht versteckte Ironie an sich in Deinem Beitrag :)
    Deine Art zu schreiben gefällt mir richtig gut :)
    Liebe Grüße und einen schönen Sonn- und Kommentiertag,
    Ela

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