Politik & Netzpolitik
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Ade Piraten – ihr seid nicht mehr meine Partei

Austritt Piratenpartei

Wirklich dabei bin ich schon längst nicht mehr. Nicht erst seit dem heutigen Bremer Landesparteitag der Piraten. – Aber bisher war ich irgendwie auch nicht ganz draußen. Völlig abgeschlossen hatte ich mit den Piraten (noch) nicht: Sie stets gewählt, gemocht und für wichtig empfunden. Bis neulich.

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Mit dem neuen Kurs der Piraten, der insbesondere seit dem Bundesparteitag in Halle vor einigen Monaten und mit der dortigen Wahl des neuen Bundesvorstandes, zementiert wurde, ging’s für mich nicht mehr. Auch wenn ich, wie gesagt, schon damals nicht mehr wirklich dabei war: Habe alles nur noch am Rande verfolgt; Mal hier und dort ein bisserl was auf Twitter überflogen, drei-vier Blogartikel gelesen und es mir nicht entgehen lassen, den unfassbaren Kindergarten anzusehen, welcher Christopher Lauer erst das Mikro abgedreht und dann aus peinlich-bürokratischen Gründen die Kandidatur aberkannt hat. Tja. Dann ging das Mikro wieder, dann wieder nicht. Es wurde hin und her geworfen. Schweinchen in der Mitte gespielt: Wer den Regler hat, hat die Macht. Es war traurig. Vor allem vor dem Hintergrund, wer so alles nicht unterbrochen wird auf solchen Parteitagen.

Jetzt hat die Piratenpartei einen Bundesvorstand, der hauptsächlich aus Menschen besteht, die unter dem Deckmantel, sich auf Kernthemen konzentrieren zu wollen, alle diskreditiert, die ihnen nicht passen. Und das ist die schöne Umschreibung dessen, was sie tun. Aus diesem Lager hagelt es von Beleidigungen bis hin zu Androhungen von körperlicher Gewalt so ziemlich alles, gegen so ziemlich jeden, der bzw. die es wagt, diesen Kurs in Fragen zu stellen – und eine klare linke Positionierung der Piratenpartei einzufordern.

Denn: Es gibt innerhalb der Piratenpartei keinen klaren Konsens (mehr) sich als antifaschistisch zu bezeichnen. Und damit bin ich persönlich raus. Denn das ist für mich die Grundvoraussetzung dafür, dass ich mich einer politischen Gruppierung anschließe. – Und im Übrigen auch dafür, auch nur daran zu denken sie zu wählen.

An dieser Stelle sei, für die noch weniger als ich im Kreis der Eingeweihten weilenden Menschen, mal kurz der Flügelstreit zusammengefasst. Aus meiner vollends subjektiven Sicht – selbstverständlich: Es gibt einen Teil, der immer wieder wild um sich kreischt, dass es verdammt noch mal verdammt wichtig ist, sich auf die Kernthemen zu konzentrieren. Welche da wären: Transparenz & Netzpolitik. Und alles andere sollte nicht an die große Glocke gehangen werden, denn (Zitat aus dem Gedächtnis vom heutigen Landesparteitag der Bremer Piraten): „Die Dosis macht das Gift“ und „Man sollte sich, um falsche Signale zu vermeiden, nach außen hin nicht mit der Antifa gleichsetzen.“ Neben Antifaschismus ist übrigens Feminismus in einem ähnlichen emotionalen Ausmaß DAS Aufregerthema schlechthin.

Was ich dabei allerdings noch nie wirklich verstanden habe, ist: Was eigentlich genau irgendwen in dieser Partei daran hindert, an diesen berühmten Kernthemen zu arbeiten, wenn er oder sie sich gleichzeitig als antifaschistisch bezeichnet? Für mich lässt sich das nur auf eine einzige sehr simple Weise verstehen: Jemand möchte sich schlicht nicht als antifaschistisch bezeichnen. Punkt. Die Gründe können unterschiedlich sein, bedeuten aber in der Konsequenz ausnahmslos alle, dass diversen Menschen ihre Gründe wichtiger sind, als die glasklare Positionierung gegen Rechts. Nicht mehr und nicht weniger.

Und: Damit bin ich raus. Jeden Zank, die vielen hochnotpeinlichen Aktionen und all die Tanklaster voller Popcorn waren okay für mich. Irgendwie. Oder zumindest habe ich trotzdem noch so halbwegs an die Idee geglaubt. Aber ohne genau diesen einen Nenner geht’s für mich nicht.

Nun gut. Jedenfalls und anhand dieser „Sachen“ ist die komplette Partei in den letzten Monaten immer weiter eskaliert. Derweil gab es ausnahmslos alles und in jedem denkbaren Spektrum des Niveaus. Und ja, es gab auch jene schon angesprochenen Drohungen. Außerdem den Wunsch nach Abspaltung.

Jüngst hat nun der neuer Bundesvorstand Christopher Lauer eine Ordungsmaßnahme angehängt, die alles zwischen faktisch verdreht, falsch, ungerecht und peinlich ist. Aber vor allem ging es vermutlich darum, ein Exempel zu statuieren: Was mit Leuten passiert, die nicht auf Linie sind. Als unmittelbare Reaktion darauf hat der (seit heute ehemalige) Vorstand der Bremer Piraten gestern Abend einstimmig beschlossen, dem Bundesvorstand ein Hausverbot für den heute stattfindenden Bremer Landesparteitag auszusprechen, was eben jener ziemlich genau sofort durch’s Internet gepustet hat. Kann man machen, muss man nicht, aber nun: Um ehrlich zu sein: Ich bin da ganz bei euch. Ihr Menschen vom Bremer Ex-Landesvorstand. ;)

Jedenfalls und um uns das Popcorn mal aus der Nähe anzusehen, waren der Herr S. und ich heute Morgen mal kurz da: Beim Landesparteitag. Und es war ganz genauso, wie erwartet. Aber natürlich auch irgendwie schön, denn innerhalb der Piraten habe ich nach wie vor einige Freunde und Freundinnen, die ich völlig egal wann und wo gerne treffe.

Nun denn. Tagesfazit: Bis auf einige wenige sind die letzten Reste des sogenannten „Linken Flügels“ heute oder gestern recht geschlossen ausgetreten. Eine Person wurde des Saales verwiesen. Aus Fotos von Menschen, die ich sehr mag, wurden Bilder gebastelt und durch’s Internet geblasen. Die Maillingliste ist bestimmt schlimm, aber die lese ich erst gar nicht. Und wer sich ein Teil des Elends auf Twitter ansehen möchte: Hier entlang.

Die Versammlung ist nun unterbrochen. Morgen reist der Bundesvorstand an (oder auch nicht) und tut dann was auch immer er dann für nötig gedenkt zu tun – aber das ist mir herzlich egal. Die Piraten sind für mich mit dem heutigen Tag endgültig Geschichte.

Adjeu! Bye, Bye! R.I.P!

Und sonst?

Möchte ich noch einstreuen, dass ich überzeugt davon bin, dass man dem momentanen gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck nicht auch nur ein kleines Bisschen damit begegnen sollte, „linke Vokabeln & Attitüden“ und/ oder Politikstrukturen „den Verhältnissen“ anzupassen, sondern ganz im Gegenteil Menschen schützen und unterstützen sollte, die dafür Sorge tragen, dass diese Ideen weiterhin einen Platz in der Gesellschaft halten können. Bedingungslos. Egal wo und wie.

Ich finde an dem ganzen AfD-Geschwafel im Übrigen ganz besonders paradox, dass die Leute, die sich zu dieser Art von Politik hingezogen fühlen, sich gleichzeitig permanent benachteiligt und/ oder übergangen fühlen. Ungerechtigkeit lässt sich aber nunmal nicht auflösen, indem man Strukturen schafft, wünscht oder herbeistänkert, die eine Seite (egal welche) bevorteilt.

Durch den konsequenten (auch finanziellen) Abbau von sozialen, kulturellen und lebensverschönerenden Strukturen der Regierungs-Parteien in den letzten Jahren, wurde meiner Meinung nach Tür und Tor für dieses ganze Heer an wütenden Menschen geöffnet, die nun ihren Unmut darin kanalisieren, indem sie Strukturen fordern, die es für alle (noch) ungerechter macht.

Der Abbau von Sozialsystemen macht Menschen unsozial.

32 Kommentare

  1. ein Pirat sagt

    Moin,

    Es gibt innerhalb der Piratenpartei keinen klaren Konsens (mehr) sich als antifaschistisch zu bezeichnen.

    das stimmt einfach nicht.

    Die Piratenpartei stellt sich gegen jegliche radikalen Tendenzen. Wie jede gute demokratische Partei ist auch sie dem Faschismus gegenüber nicht wohlgesonnen. ABER: Antifaschismus ist nicht gleich Antifa!

    Die meisten Piraten, die du fragst, würden sich als antifaschistisch bezeichnen. Auch wir vom „liberalen Flügel“ wollen keinen Faschismus.

    Danke für die Aufmerksamkeit.

    • Sarah Maria

      Von den Piraten, die am Samstag da waren, haben sich eine ganze Reihe eben nicht damit einverstanden erklärt sich als antifaschistisch zu bezeichnen. Der Konsens war schlicht und einfach nicht da. Punkt. Es ging einigen viel mehr darum den Flügelkampf zu „gewinnen“ und das war ihnen weitaus wichtiger, als das gemeinsame Bekenntnis gegen Rechts.

  2. Pingback: Hirnfick 2.0 » Ausgelauert

  3. Hartmut sagt

    Au weia, manche haben schom seltsame VT. Taucht in beiden „Flügeln“ auf.

    Rechtsruck? Waran machst du den fest, dass Prg und die Satzung hat sich nicht geändert.

    • Sarah Maria

      Stimmt. Aber es sind nun gerade mal ein paar Tage vergangen und schon rütteln die ersten LV’s daran rum. Nur weil es bisher noch keine offizielle Gelegenheit dazu gab, heißt das nicht, dass sich nicht schon längst etwas verändert hat.

  4. Rohrwallpirat sagt

    Danke für die klaren Worte. Stimmt leider zu großen Teilen. Die viel Erfolg bei dem was nach der Piratenzeit nachfolgt. Gute und engagierte Menschen bewegen auch Dinge außerhalb von Partei Strukturen.

  5. Wer Demokrat ist, der ist auch gleichzeitig Antifaschist. Umgekehrt ist das aber nicht so, nicht jeder Antifaschist ist auch ein Demokrat.

    oder anders ausgedrückt folgendes Zitat: „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: «Ich bin der Faschismus» Nein, er wird sagen: «Ich bin der Antifaschismus».

    Insofern bin ich froh, dass die Immunabwehr der Piraten sowohl gegen rechtsaussen, als auch gegen linksaussen funktioniert. Es könnte nur zu lange gedauert haben.

    • Sarah Maria

      Na ja…. ;) Ich würde eher sagen, dass anders herum (zumindest empirisch häufiger) ein Schuh draus wird: Viele, die sich selbst als Demokraten bezeichnen (z.B. die Damen und Herren aus der AfD), sind nicht mal ansatzweise Antifaschisten. Während (nicht alle) aber viele, die sich selbst als Antifaschisten bezeichnen, auch Demokraten sind. Wenn man eine solche Angst davor hat, das Wörter/ Bezeichnungen auch von anderen, mit denen man sich selbst nicht identifizieren kann, benutzt werden, dann sollte man konsequenterweise auch auf den Ausdruck „Demokrat“ verzichten. Ansonsten gehe ich weiterhin davon aus, dass alle, die sich weigern den Begriff „Antifaschist“ anzunehmen, dies aus inhaltlichen/ politischen Gründen tun.

      Deinen zweiten Absatz verstehe ich nicht. Keine Ahnung, wie du darauf kommst.

      Der dritte Absatz ist deine Privatmeinung. Du magst den Richtungswechsel, ich nicht. Super für dich, schlecht für mich. Es ist deine Partei, meine nicht mehr.

  6. Zitat: „Was eigentlich genau irgendwen in dieser Partei daran hindert, an diesen berühmten Kernthemen zu arbeiten, wenn er oder sie sich gleichzeitig als antifaschistisch bezeichnet?“

    Ich sag‘ mal was dazu als Ex-Pirat (2009 – 2012) und dann Beobachter:

    Es verfestigt sich der Eindruck, dass bei denen linksaußen eine Beschäftigung mit anderen Themen außer Faschismus (und Feminismus) gar nicht gewünscht ist. Wer seinen Arbeitsschwerpunkt auf andere Themen legen will, weil diese ihn mehr interessieren oder er da bessere Kenntnisse und Fähigkeiten hat, der steht schnell in der rechten Ecke. Nach dem Motto: „Kampf gegen Faschismus ist das Allerwichtigste, und wer das nicht zu seiner Top-1-Super-Alpha-Priorität macht und das auch jeden Tag mindestens zweimal laut kund tut, der kann ja nur ’ne rechte Socke sein!“

    Das verhindert innerhalb der Partei die respektvolle Zusammenarbeit, während es die Partei nach außen als zerstrittenen, respektlosen und z.T. sogar gewaltbereiten Haufen erscheinen lässt, der zu anderen wichtigen Themen wie Energiewende, Steuerpolitik, Außenbeziehungen, Bundeshaushalt, Breitbandausbau, Bildungspolitik etc. überhaupt nichts zu sagen hat.

    Ist natürlich auch nur (m]ein subjektiver Eindruck. Den ich aber wohl mit einer Reihe von anderen teile.

    • Sarah Maria

      Mhmm. Ich denke, das ist vielleicht auch irgendwie eine Grundhaltungs-Sache: In meinem Fall ist es z.B. so, dass ich davon überzeugt bin, dass eine gerechte Gesellschaft sozusagen die Voraussetzung dafür ist, dass es solche Dinge, wie ein „gerechtes Internet“ geben kann.

      Ich denke nicht, dass es ein transparentes, gerechtes und freies Netz in einer Gesellschaft geben kann, die selbst nicht frei, gerecht und transparent ist. Denn das Internet ist ja kein abgetrennter Raum. Es ist vielmehr ein gesellschaftlicher Raum oder auch Spiegel der Gegebenheiten.

      Dass deswegen bestimmte Themen, wie Antifaschismus, Antirassismus und Feminismus irgendwie immer präsent sind, ist in meinem Fall meiner Überzeugung geschuldet, dass eine gerechte Gesellschaft, in der alle die gleichen Chancen haben, für mich die Vorraussetzung für z.B. eine erfolgreiche Netzpolitik ist.

      Wenn diese Grundüberzeugungen nicht übereinstimmen, ist es natürlich sehr schwierig zusammen zu arbeiten. Ich muss halt auch nicht unbedingt mit jedem was zusammen machen. Daher gehe ich auch nicht mit viel Groll – oder zumindest mit weitaus weniger, als viele andere. Ich habe auch längst nicht so viel Arbeit und Herzblut in die Sache gesteckt.

      Ich bin, wie eingangs schon gesagt, eigentlich schon längst nicht mehr wirklich dabei: Habe mich gedanklich nach der gescheiterten SMV-Abstimmung in Neumarkt von der Partei verabschiedet, habe sie aber stets weitergewählt und war mal hier, mal dort auf Veranstaltungen. Aber mit diesem neuen Anti-Links-Kurs innerhalb der Partei kann ich nix anfangen. Das bin ich nicht. Ich komme aus einer linken Richtung, war auch schon vor den Piraten politisch aktiv (Anti-Atom, Anti-Rassismus). Sogar weitaus aktiver und mindestens 4x so lang. Die Piraten sind genau genommen eine eher kurze und passive Ära für mich gewesen, die nun nicht mehr zu mir passt.

      Das ist okay. Ich mach dann halt woanders weiter. :)

  7. Moin,

    und genau eines ist und will ein echter Pirat nicht sein, ein ANTIFA. Denn die Antifa steht sicherlich nicht für dass, was ich als Demokratie verstehe:

    Toleranz

    freie Meinungsäusserungen

    ein breites Angebot an politischen Partei (und nicht verengt auf drei Parteien, welche links von der CDU stehen)

    Genau, ich will die Antifa nicht in meiner Partei haben, deshalb bedanke ich mich, dass du austrittst und ersparst mir den meinigen.

  8. ReneRussellbhv sagt

    Hi Sarah Maria,
    schade das du gehst. Verändern kann nur, wer mitmacht.
    LG René

    P.s.: Ich brauche kein Antifa-Logo in der Präambel, ich bin schon vom Grundsatzprogramm her gegen jede Form von Gewalt und somit auch gegen faschistische Gewalt.

    • Sarah Maria

      Da hast du natürlich Recht! Nur wer was tut, kann auch was verändern. Aber das möchte ich nicht mehr bei den Piraten. Ich stecke meine Energie lieber in andere Projekte. Die Piraten sind ja nicht die erste und auch nicht die letzte gute Idee. :)

  9. Mir kam das ganze schon immer mehr wie ein Karnevalsverein vor. :-) Sorry, aber die Welt is nicht nur Internet :-)und die Menschen machen das Internet- MENSCHEN GUT; ALLES GUT. Internet, Irgendwie ist es das einzige was mir neben der Augenklappe zu Pirat einfällt. Vielleicht liegt es auch daran das mir nie jemand erklären konnte worum es geht und auf Antworten wie: „Also ich will nicht das der Staat auf meine Daten zugreifen kann, DU etwa?“ Habe ich schon demonstrativ geantwortet,ja. Ich will das er auf die Daten von all den Perversen, korrupten Schweinen zurückgreifen kann, ja ich will und da ich nichts zu verbergen habe, kriegt er meine für n guten Zweck noch dazu, warum willst du das nicht? Puuuh da hätte ich gerne 2 Augenklappen gehabt die ich mir auf die Ohren setzen kann. ☺ Aber niemand konnte mir etwas mit Hand und Fuß sagen, sondern es wurden nur die Programme der anderen auseinandergeflückt beschimpft.Das kann ich auch selber, da brauche ich keine Partei für… diese Kommentare zeigen das du damit ins schwarze triffst, weia wie peinlich der letzte Satz da oben .☺ l.g Alex

    • Sarah Maria

      Hey Alex. Hier in den Kommentaren ist noch alles chic. Hier geht’s noch verhältnismäßig sachlich zu. Woanders ist der Ton noch viel unterirdischer. Leider. Einige Emails, die ich als Reaktion bekommen habe, gehen aber leider auch in die Richtung. :/

      Und ein Karnevalsverein war die Partei nicht, – auch wenn sie ohne Frage die meiste Zeit über so gewirkt hat. Sie wurde leider von denen kaputtgekloppt, die den lieben langen Tag nix anderes zu tun hatten, als Hass zu verbreiten. Es gab viele sehr gute Leute, die sehr gute Politik gemacht haben. Die hat man nur leider irgendwann nicht mehr wahrgenommen bzw. konnten sie auch irgendwann einfach nicht mehr. Ich ziehe den Hut vor allen diesen Menschen, die so sehr an eine gerechte und transparente Politik geglaubt haben, dass sie das alles über sich haben ergehen lassen.

      Ich denke die Sache mit Daten ist viel mehr, als nur die vermeintlich effektivere Verbrechensbekämpfung. Es geht auch nicht darum, ob man was zu verbergen hat – oder nicht. Es geht um den Schutz der eigenen Persönlichkeitsrechte. Genauso, wie nicht einfach deine Wohnung durchsucht werden darf, wenn kein ausreichender Verdacht vorliegt, sollte auch niemand das Recht haben, grundlos deine Emails, deine Facebookkontakte und deinen Browserverlauf zu speichern. So etwas hat in einer Demokratie nix verloren und öffnet Tür und Tor in staatliche Willkür.

  10. Borys Sobieski sagt

    Ich bin immer wieder erstaunt wie unterschiedlich die Sichtweise auf verschiedenste $Dinge in dieser Partei sein können.

    Auf der einen Seite Hall, der schrecklichste Parteitag aller Zeiten, Rechtsruck usw..
    Auf der anderen.. yay.. klasse, es geht voran, nicht mehr extrem sondern passend.

    Na ja, eine Partei ist eben kein Instrument für Aktivismus. Das kann dazu gehören, ist aber eben nicht primärer Zweck.

    Im übrigen kann man als PIRAT sehr wohl gegen faschistische Bestrebungen sein, ohne gleich ANTIFA zu sein.

    Interessant ist auch, das ich z.B. Gewaltandrohungen und Verleumdungen eher aus dem linken Flügel mitbekommen habe. Teilweise auch gegen mich und schlimmer gegen meine Familie, insbesondere meine Kinder gerichtet.

    Und wenn man sich dann den Bremer LPT so betrachtet, alleine von der Anzahl der anwesenden her, dann fällt es sehr, sehr schwer auf den Rest der Partei zu schließen.

    Trotzdem schade das jemand geht. So Long and thank’s for all the fish!

    Gruß Borys

    • Sarah Maria

      Habe mal auf deinem Twitterprofil geschaut und Freude über die vielen Austritte gefunden: „In ein paar Jahren werden #Piraten auf 2014 zurückblicken und „Fuck Yeah! – Strg + Alt + Entf“ sagen.“ (https://twitter.com/derBorys/status/513784613073072128)

      Um ehrlich zu sein verstehe ich nicht, was eine Partei sonst sein sollte, wenn sie kein Ort für Aktivismus ist? Politik ist Gestaltung: aktive Gestaltung. Ansonsten wäre sie völlig sinnfrei.

      Und wenn du gegen Faschismus bist, dürfte es ja kein Problem für dich sein, das auch klar und deutlich als Partei zu kommunizieren. Find ich toll! :) Ich bin allerdings nicht (nur) aufgrund der Bremer ausgetreten, sondern vor allem deswegen, weil sich die Piraten insgesamt immer weiter von linken bzw. meinen Politikvorstellungen verabschiedet haben. Ich hätte auch einfach weiter passives Mitlgied bleiben können (so wie in den letzten Monaten), weil ich irgendwie immer noch an der Idee hing und mich nicht völlig trennen konnte. Aber mir sind einfach grad zu viele, zu „seltsame“ Leute bei den Piraten unterwegs – und mit denen möchte ich schlicht nicht in einen (politischen) Topf geschmissen werden.

      Und was Drohungen gegen Menschen inklusive Kinder angeht, sind wir uns glaube ich einig.

  11. Huiii, hier geht’s aber zur Sache! ;)
    Alles, was ich zum Thema beitragen kann ist, dass ich in meinem Leben schon die verschiedensten Parteien (mind. 6) gewählt habe, aber die Piraten haben sich bisher noch nie darunter befunden.
    Ich konnte sie politisch einfach noch nie so richtig einordnen, um ehrlich zu sein.

    LG Su

    • Sarah Maria

      Ich wähle auch nicht immer die gleiche Partei. Meistens weiß ich gar nicht so recht, wen ich wählen soll, und entscheide mich dann taktisch. Denn es gab eigentlich nie eine Partei, die ich voll und ganz unterstützenswert fand. Außer die Piraten! Die habe ich in den letzten Jahren immer gewählt. Auch noch zur letzten Bundestagswahl und auch Europawahl.

      Das Programm war bisher super! Du kannst es hier nachlesen: http://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2013/Wahlprogramm
      Es ist mit den Jahren sehr umfangreich geworden und hat zu allen „großen“ Themen eine Position. Diese Positionen werden in bundesweiten AG’s erarbeitet und dann zur Abstimmung auf den Bundesparteitagen gestellt. Oft gibt es auch konkurrierende Positionen. Und nicht alle werden schließlich auch angenommen.

      Darüber abstimmen kann jedes Parteimitglied. Vorrausgesetzt man hat die Zeit zu einem Bundesparteitag zu fahren. Das Wahlprogramm für die Bundestagswahl dort oben wurde z.B. in Neumarkt (Bayern) abgestimmt. Nun ist es aber so, dass Bayern echt weit weg ist! Ich war da (es gab einen Piraten-Bus mit dem wir gefahren sind).

      Auch wenn der Eindruck nach außen hin entstanden ist, dass die Piraten Dinge über das Internet abstimmen würden, stimmt das schlicht nicht. Es wird nur über das Internet gearbeitet und Meinungsbilder erstellt (in Pads, im Mumble, im Liquid Feedback), aber Entscheidungen können nur auf Parteitagen getroffen werden.

      Auf dem in Neumarkt sollte das geändert werden und eine „Ständige Mitgliederversammlung“ (SMV) eingeführt werden. Es wurde dagegen gestimmt. 17 Stimmen haben gefehlt. Tja. Dummerweise war es halt so, dass diese Abstimmung in Bayern war und in Bayern wohnen viele, die eher nicht so zum progressiven Flügel der Partei gehören. Viele aus dem anderen Spektrum konnten die Fahrt nicht schaffen. Wäre der Parteitag z.B. in Berlin gewesen, hätte das sicher ganz anders ausgesehen. Tja.

      In Halle mit der Wahl des neuen Bundesvorstandes lief es ganz ähnlich. Hinzu kam noch, dass durch einige bürokratische Kniffe Menschen von einer Kandidatur abgehalten wurden. Die Stimmung innerhalb der Piraten hat sich in den letzten Monaten und vor allem seit Halle ziemlich gedreht – und dieses Programm dort oben wird mit Sicherheit nicht nocheinmal so abgestimmt werden.

      Im Moment gibt es erste Bestrebungen Dinge komplett zu streichen und vermutlich wird es da auch diverse Änderungen in der Ausrichtung geben. Aber eigentlich ist das auch völlig latte, denn die, die den Laden sowohl inhaltlich als auch verwalterisch bisher irgendwie am Laufen gehalten haben, sind mittlerweile fast alle ausgetreten. Das Ganze ist mehr eine Geisterstadt, in der nun die hocken, die alle anderen rausgemobbt haben.

      Dieser Artikel hier fasst es ganz gut zusammen: https://www.freitag.de/autoren/siegstyle/piratenpartei-verlaesst-die-piratenpartei

  12. Liebe Sarah-Maria, so macht das Sinn.☺ So verstehe ich das auch, ist aber leider mit dem Konzept und den Mitgliedern so nie zu lösen gewesen. Ich habe leider meist solch trotzige Kommentare wie den letzten Satz von Marek gehört und gelesen und dann wolte ich auch nicht mehr hinhören, weil mir das zu Sandkasten war.Das sind meistens nur Einzelne die das versemmeln, aber die haben dann auch da oben nix zu suchen in Vorständen.Is überall das selbe, es kommt nur drauf an wer sich am besten verkauft. Die Piraten konnten das nicht seriös und glaubwürdig- für mich, aber das ist schon die Basis in der Politik. l.g alex

  13. Was dieses Thema angeht, bin ich eigentlich schon länger raus… über die letzten Monate hinweg wurde es ja auch irgendwie immer stiller und ich hatte schon fast vergessen, dass sie auch mal ganz oben mitmischen wollten…

    • Sarah Maria

      Ja, leider. Ich z.T. auch. :/
      Dabei sind die vielen Themen und Ideenansätze nach wie vor toll. Schade, dass alles so kaputt gerockt wurde. Dieses Wochenende finde z.B. die openmind-Konferenz in Kassel statt. Es gibt auch einen Livestream zu den Vorträgen und Workshops, falls du Lust hast mal reinzuschauen: http://om14.livestream.watch/

  14. Pingback: Austrittsbegründungen | Wolkenstich

  15. Hi, die Katze im Klo ist gut…….mein hat das auch öfter gemacht, wenn
    denn der Deckel offen stand.
    Also immer schön den Deckel schließen.
    Und der Storch hat dann doch kein Nest bei uns gebaut. Vielleicht
    sollten wir das tun??????????
    Mal sehen im nächsten Jahr?
    Aber wir haben doch noch die 80 Schwalbennester, die drei
    Mauersegler Kästen und Salat auch.
    Dein Salat geht in den Samen, kannste ernten fürs nächste Jahr.
    Lieben Gruß
    margit

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