Essen & Trinken, Politik & Netzpolitik, Umwelt- & Naturschutz
Kommentare 43

Von der Plastikflasche zur Schlepperei

Umwelt - Brücke in Bremen
„Wenn Sie diesen Film gesehen haben, werden Sie nie wieder aus einer Plastikflasche trinken“, so das „Versprechen“ zu Beginn des Trailers. Ach. Ja…. Jaaaa. Denkt man sich. Wir sind ja tragischerweise so einiges gewohnt: Antibiotika im Essen. Gammel in allen erdenklichen Facetten. In der EU sind insgesamt 320 Zusatzstoffe zugelassen. Mirabellentees ohne Mirabellen, 1% Spinat in Knorrs „Nudeln mit Spinat“. Und, ach, Pferdefleisch, Dioxin, BSE, Legebatterien. Orangenplantagen auf denen die Arbeiter gleich mitgespritzt werden und das ganze große Gen-Essen-Thema gibt’s auch noch. Alles schlimm. Alles Mist. Und trotzdem bauen wir nicht die ganze Küche um. Bio-Eier klar, die anderen kauft ja nun wirklich keiner mehr – und auch sonst hat jeder von uns hier und da was umgestellt. Wenn’s halt gerade passt. Unbequem stellenweise geht auch noch irgendwie klar, ein bisserl teurer auch noch. Chemie in Cremes machen die meisten von uns ja ohnehin schon längst nicht mehr mit – und kaufen 2 EUR teurere Naturkosmetik. Aber Glasflaschen? Echt…. Jetzt…. Und ja: Ich kann euch versprechen, das ist eine Riesen-Schlepperei! – die ich nun ungelogen seit einigen Wochen eiskalt durchziehe. Oft zu Fuß. Plastikflaschen sind raus. Geht nicht mehr. Seitdem habe ich nie wieder aus einer getrunken. Slogan stimmt.

Hier geht’s zum Film. Hier zur Website.

Horror pur: Eine Unternehmenssprecherin einer Plastik-Fabrik lehnt ab aus einer Plastikflasche zu trinken: Mit den Worten, sie möge kein Wasser. Vor laufender Kamera. Weiter: Die Hersteller von Plastikflaschen wissen gar nicht über die genaue chemische Zusammensetzung ihres anglieferten „Roh-Plastiks“ Bescheid. Betriebsgeheimnis. Ein Inhaltsstoff ist z.B. Tributyltin, welcher weiblichen Wellhorn-Schnecken Penisse wachsen lässt. Mittlerweile ist es sogar so, dass Tributyltin, aber auch Bisphenol A und Phthalate in unser Umwelt und auch in unseren Körpern nachweisbar sind. Und um dazu mal eines von vielen, vielen möglichen Schock-Zitaten rauszuhauen: „In Belchers Tierversuchen entfaltete Bisphenol A wenige Minuten nach Verabreichung eine verheerende Wirkung: Sie stoppte den Signalweg des weiblichen Sexualhormons Östrogen und damit die natürliche Entwicklung der Gehirnzellen – unabhängig vom Geschlecht der Tiere.“ (nachzulesen hier) Bisphenol A ist in Dänemark bereits verboten. Unsere Regierung hat das bisher noch nicht auf die Kette bekommen. (–> P.S.: Morgen ist übrigens Wahl….)

Im Meer befindet sich 6x mehr Plastik als Plankton. Unabhängig vom Film habe ich vor ein paar Monaten einen Artikel über einen gestrandeten Wal gelesen, der an 17kg Plastikmüll verendet ist. In dem Artikel heißt es, dass sein Darm quasi explodiert sei. In den Meeren schwimmen diverse riesige Plastikstrudel, dessen Ausmaße und vor allem dessen Plastik-Dichte offenbar nicht genau bekannt sind. Ich habe Zahlen von 2x so groß wie Texas, über 16x so groß wie Österreich, bis hin zu so groß wie Mitteleuropa gelesen.

Der Film hat bei mir eine ziemlich ausgeprägte Endzeitstimmung hinterlassen.

Versucht nur ein einziges Mal im Supermarkt einen Einkauf ohne Plastik zu erledigen. Unmöglich. Wenn nur 2/3 aller eurer Produkte, die ihr auf’s Band legt plastikfrei sind, seid ihr schon echt gut dabei. Milch in Glasflaschen bekommt man in keinem einzigen Supermarkt in meinem Dunstkreis. Ich kauf jetzt immer die von Demeter im Reformhaus. Hat den überaus hervorragenden Nebeneffekt, dass ich ein echter Milch-Fan geworden bin: Ist ein völlig neues Geschmackserlebnis.

Den Transport von Salaten und Broten zur Arbeit, habe ich jetzt mit Bio-Plastik gelöst. Dort bin ich quasi Großkunde. Ich fand es gar nicht so leicht einen Anbieter mit einer guten Auswahl und erschwinglichen Preisen von Bio-Plastik zu finden. Ja genau: Plastik aus zu 100% nachwachsenden Stoffen und ohne Weichmacher und auch ohne den ganzen anderen Dreck. Ich habe jetzt schon zwei große Päckchen bestellt – verschenke das Zeug auch gnadenlos zu Geburtstagen oder dergleichen. Meine Schwester hat nun auch einen Schwung bekommen – als Gastgeschenk. Da bin ich nämlich gerade zum Katze-Sitten. Sie ist in Vietnam – und derweil haben mein Freund und ich uns hier für eine Woche eingenistet. Einziger Nachteil: Sie wohnt auf einem Berg. Heißt wir spielen jetzt in einem völlig neuen Level, was das Glasflaschenschleppen angeht…

43 Kommentare

  1. Pingback: Adjeu Plastikflaschen – ein (vorläufiges) Fazit | Sarah Maria

  2. Pingback: Ein Meer aus Plastik | Sarah Maria

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.