Urlaub, Reisen & Ausflüge
Kommentare 22

Prag – Wandern im Šárka-Tal

Markierungen Wanderweg

Es ist schon Halbzeit in Sachen Pragurlaub. – Wir haben schon viel gesehen, erlebt, gemacht. Wie am Montag zum Beispiel: Denn da war das Wetter dermaßen hervorragend, dass wir beschlossen haben wandern zu gehen. Und zwar quasi vor der Haustür. Hier in Prag. Jedenfalls fast: Vor den Toren der Stadt. Denn nämlich genau dort liegt das Naturschutzgebiet wilde Scharka – oder übersetzt Divoká Šárka.

Es ist eigentlich kein Problem vom Stadtzentrum dorthin zu gelangen. In einer guten halben Stunde seid ihr da: Ihr müsst nur in die 5 oder 26 steigen und stumpf bis zur Endhaltestelle fahren (in die richtige Richtung – selbstredend), die praktischerweise auch eben so heißt, wie der Ort zu dem ihr wollt: Divoká Šárka.

Von dort geht es auch gleich los: Hinter dem deutlich sichtbaren (30 Meter entfernten) McDonalds beginnt der Wanderweg. Ihr könnt also sogleich eintauchen in das Šárka-Tal. Ob ihr für diesen Zweck die Treppen durch das Dickicht oder die Straße nehmt, ist vollends egal: Ihr kommt am selben Punkt raus. Nämlich einige Meter weiter unten.

Von dort könnt ihr dann einfach den Wanderweg-Markierungen folgen. Oder eben auch nicht. Denn so richtig viel haben diese offenbar nicht zu bedeuten. Außer: „Ja. Das ist ein Wanderweg.“ á la Magrittes „Ceci (n’est) pas une pipe“. Einer von vielen. Einer von vielen unterschiedlichen Routen. Wegen. Möglichkeiten.

Wilde Scharka

Deswegen haben der Herr S. und ich uns entschieden einfach mal drauf loszuwandern. Denn wirklich verlaufen kann man sich nicht. Durch das Scharka-Tal mit dem Flusslauf auf der einen Seite und Prag (z.T. immer mal wieder sichtbar) auf der anderen Seite, kann man sich stets recht eindeutig orientieren.

Zu Beginn der Wanderung läuft man durch hohe eindrucksvolle Felsformationen. Gleich darauf folgt dann die Entscheidung: Erstmal weiter durch das Tal, der kleinen Straße folgen – oder sogleich hinauf einen kleinen Wanderweg entlang durch den Wald. Wir haben uns für letzteres entschieden. Sind also erstmal durch die böhmischen Wälder hinaufgestiegen – um dann auf dem Rückweg durch das Scharka-Tal zu laufen. Die Selbe Strecke zurück muss man also nicht erneut laufen.

Wanderung Divoka Sarka

IMG_1111_03

IMG_1118

IMG_1121

IMG_1144

Unten im Tal befinden sich mehrere Gaststädten und kleine Biergärten. Alte verlassene und nicht verlassene Bauernhöfe säumen den Flusslauf – aber auch vereinzelt kleine Anwesen. Sowie ein Natur-Freibad. In dessen Genuss der Herr S. und ich uns angesichts des Novembers nun nicht begeben haben. Im Sommer ist das allerdings bestimmt eine hervorragende Möglichkeit, um auf halber Strecke ein wenig vor sich hin zu pausieren.

IMG_1151

Herr S. wandern

Wanderen wilde sarka

Insgesamt waren wir rund 3 Stunden unterwegs. Rein wegtechnisch hätten wir hier und da noch anders abbiegen und so sicherlich noch gut 2 Stunden dranhängen können. (<- Für die unkaputtbaren unter euch).

Fazit: Schön war es im Šárka-Tal. Ruhig. Sonnig. Düster. Böhmisch. Und wie in einem tschechischen Märchenfilm: Wild romantisch und irgendwie voller goldener Sehnsucht.

Prags Vorzeigekomponist (einer von vielen – selbstredend) Bedřich (Friedrich) Smetana hat die Schönheit der Dovoká Šárka in seinen berühmten 6-teiligen-Zyklus „Má vlast“ leider nicht vertont. Auch wenn der III. Teil den Namen „Šárka“ trägt und ich ihn heute bereits einige Male in wilder Überzeugung es ginge um eben jene Landschaft gehört habe. Dort jedoch geht es nuneinmal um eine gleichnamige Amazonenkönigin, die der Männerwelt Rache schwört: Klick. Aber nun.

22 Kommentare

  1. Schöne Fotos!
    Diese Wanderung würde mir auch gefallen!
    Ich muss gestehen, als wir in Prag waren, sind wir auf diese Möglichkeit gar nicht gestoßen, leider! =)

    Eine schöne Restzeit wünsch ich Euch!

    Liebe Grüße,
    Sarah =)

    • Sarah Maria

      Wir wollten ursprünglich eigentlich den kompletten Urlaub wandernd verbringen – haben uns dann aber doch für einen Städteurlaub entschieden. Denn im November ist das mit dem Wetter ja so eine Sache. Bei Regen in den Bergen hätten wir uns den ganzen Tag vom Hotel aus den Regen ansehen können. ;) In einer Stadt gibt’s halt immer etwas zu sehen. 1x wandern wollten wir aber dennoch unbedingt….

  2. Sehr schöne Eindrücke. Erinnert mich gaaanz stark an meine Heimat. Auf der Schwäbischen Alb wimmelt es von solchen Landschaften, Waldwegen usw. Ich liebe es ;-)

    • Sarah Maria

      Wir hier oben in Bremen sind ja leider vollends hügellos – so dass mir selbst solche Gegenden recht gigantisch weit oben vorkommen. ;) Und ich bin immer wieder erstaunt, wie viele es von diesen gigantisch-weit-oben Gegenden doch eigentlich gibt. ;))

  3. Auf so eine Wanderung hätte ich jetzt auch Lust. Es sieht unheimlich schön aus! Leider war ich noch nie in Prag, aber ich möchte unbedingt mal hin!

    LG Rebecca

  4. danke für den interessanten Prag-Wanderbericht.
    Ich kenne bisher nur die Stadt … wäre also mal eine Anregung für eine weitere Reise nach Prag :-)

    Herzliche Grüße von Heidi-Trollspecht

    • Sarah Maria

      Absolut. Es macht aber Sinn vorher ein wenig zu googeln. Es gibt z.B. auch noch einige Burgen in der Umgebung, die man erwandern kann. Im Tourismusbüro in der Stadtmitte waren sie jedoch vollends ahnungslos, als wir nach schönen Wanderrouten gefragt haben. Die sind eher auf die Stadtmitte konzentriert. ;)

  5. Schöner ansprechender Bericht.
    Ich war leider noch nie in Prag… denn wer füttert dann meine Katzen?! :-)

    Aber wandern ist eh nicht so mein Ding, da ich ja mitten in der Natur wohne.
    Ich würde dann auch an jeder Ecke einen Wolf vermuten :-)
    Ich schaue mir lieber alte Gemäuer, Häuser und Kirchen an, und tummele mich in gemütlichen Cafés.
    Ok, ich bin auch fast 100 Jahre älter :-)

    Ich wünsche euch noch ganz viel Spaß und genießt die Zeit…

    • Sarah Maria

      Das Katzeproblem hat meine Schwester auch immer. ;) So sehr, dass der Herr S. und ich sogar schonmal eine ganze Woche zu ihr nach Hessen gefahren sind, um diese zu füttern. ;))

      Alte Gemäuer sehe ich mir auch gerne an! :D Und davon gibt es in Prag mehr als genug. Die Prager Burg zum Beispiel oder aber das jüdische Viertel. Das ist wirklich wahnsinnig interessant!

  6. Tolle Aufnahmen.
    Diese besondere Brücke mit den Ästen, da kann ich wohl im Rollstuhl nicht rüber, grins.
    Aber zum Schluss wird es ja besser.
    Liebe Grüße Bärbel

    • Sarah Maria

      Über diese kleine nass-rutschige Brücke, die der Herr S. und ich wohl am liebsten auf allen Vieren überquert hätten, ist kurz nach uns ein Jogger mit einem Affenzahn gerannt. Da haben wir nicht schlecht gestaunt!

      Die Waldwege sind wohl leider eher nichts für einen Rollstuhl. Aber überall in der Gegend gibt es auch ein Netz von kleinen, geteerten Straßen: z.B. entlang des Tals. :)

  7. Ahoj, Sarah.
    Wie ich Deinen Tweets entnehme hat Dich der Alltag „Arbeit“ wieder voll in den Griffeln; an Sonntagen dann auch noch. Ich ziehe den Hut vor all denen die an Sonn- & Feiertagen arbeiten müssen, weil Ihre Leistung hier notwendig ist. Genauso verachte ich all die Interessenten/Lobbyisten, die ein 24/7/12-Karma herunterleiern, weil angeblich Kunden nur dadurch glücklich wären. Der Mensch braucht Auszeiten – auch vom Konsum around the clock – ansonsten wir alle zu Maschinen werden. Zu schreiben, ins Stammbuch aller Freihandels-Globalisierer (die Sache mit der Leibeigenschaft/Sklaverei ist einmal offiziel abgeschafft worden!).
    Ich seh‘ schon: Off-topic-Alarm… ;-)

    Witzig. Ein „schottisches“ Restaurant am Rande der Wildnis.

    Idylisch. Der schnurgerade Hohlweg durch die Baumreihen.

    Beachtlich. Die hölzerne Brücke über die breit angelegt Bodenunebenheit. :-)

    Faszinierend. Der sinnfreie 15°-Knick im Geländer der Brücke #2.

    Womit ich doch noch die Kurve zum Thema Deines Posts geschafft hätte.
    Euch alsbaldige Ruhe der Jahreszeit!*

    bonté

    * wir müssen ja nicht alle zum 24. Dezember hin hohldrehen :-)

    • Sarah Maria

      Um ins Scharka-Tal zu kommen, fährt man durch die Plattenbauten hindurch bis ans Ende der Stadt – da winkt dann nochmal ein McDonalds bevor es auf die Bundesstraßen geht – und diesen lässt man nun einfach links liegen. So wie man es immer tut – wenn man was Schönes erleben möchte. ;))

      Die kleine Brücke hat uns auch einiges abverlangt. So als Kinder der 3x gesicherten Baugruben ist man so was gar nicht mehr gewöhnt! Zumal es schon irgendwie lässig pragmatisch ist, sich in Sachen Brückenbau an der kleinsten und schmalsten Latte zu orientieren. Eine längere gab es offenbar nicht – zur Hand. In einem Wald? ;))

      Die Arbeit hat mich leider tatsächlich direkt nach dem Urlaub übergebügelt: Samstag Nacht wieder gekommen – Sonntag Vormittag schon wieder mittendrin. :/ Mööp!

  8. Pingback: Alternatives Sightseeing in Prag - Sarah Marias Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *