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#Heidenau – Refugees Welcome <3

Mais_Groß_Mackenstedt

Eigentlich wollte ich ja über das Maislabyrinth schreiben. Das in Groß Mackenstedt. Kurz vor Bremen. Eben das in dem wir heute zusammen mit der Frau Mareike und ihrem Herrn S. waren. Ich wollte darüber sinnieren, wie wiederum mein Herr S. gestern voller Kinds-Freude nach Hause kam – nachdem er zufällig am Wegesrand eines der Labyrinth-Werbeplakate entdeckte. Wie er umgehend entschieden hat, dass wir in aller Dringlichkeit dorthin müssen. Nun. Und natürlich auch darüber, dass er – der Herr S. – sich exakt solch ein Labyrinth wünscht, seit er ungefähr vier Jahre alt ist.

Stattdessen kann ich mich nicht recht konzentrieren. Eigentlich gar nicht. Mir fehlt der Sinn in üblicher Freude durch die Sprache zu flanieren. Einen Beitrag zu erdenken, der in ähnlich spaßigen Wirrungen und Irrungen seinen Weg findet – wie wir heute in eben jenem Labyrinth.

Denn ich schaue geradezu sekündlich anderswo hin: Lese nervös, fast dünnhäutig unter den einschlägigen Hashtags die Geschehnisse in Heidenau mit. Schaue mit Entsetzen auf einige – immer mehr und mittlerweile viele Facebook-Kommentare. Voller Hetze. Voller Hass. Voller Breitseite: Geschrieben unter Klarnamen, mit Profilfoto, Urlaubsbildern und sogar Arbeitgeber in der Bio. Finde keine Worte mehr für das öffentliche Vorpreschen, der längst totgedachten Zombieapokalypse. ALL. DIESER. NAZIS. Jene sich ganz offenbar (und da bin ich mir sicher) via Hirnteilung vermehren: Sie werden mehr, sie werden dümmer. Ja!! Sie machen gar sogar noch mehr Rechtschreibfehler.

Maislabyrinth

Nun. Und: Umso mehr ich lese, umso unpassender erscheint mir unser heutiger schlicht-schöner Spaß in Sachen Maislabyrinth. Kommt mir vollends banal vor. Vielmehr auch fehlplatziert. Eventuell ganz weit weg auch: Wie ein hübsches Irrlicht. Vielleicht.

Schon seit vorgestern schaue ich immer wieder in die Tweets, Livestreams und Bilder. Stelle voller Entsetzen fest, dass die Lage im Sprint außer Kontrolle gerät. Dass sich dort Nazis in aller Öffentlichkeit – und im Grunde ohne nennenswerte Sanktionen –  weiter, beharrlich und penetrant in ihre (Denk)Welt hinein eskalieren. Sich immer mehr erdreisten. Sich immer weiter vom Rand der Gesellschaft in die Akzeptanz bewegen. Grenzen weit überschreiten – ohne Nachspiel. Dabei faktisch und im vollen Bewusstsein Menschen bedrohen.

Wenn ich diese Bilder in Heidenau sehe, kann ich schon längst nicht mehr von Fremdscham sprechen. Eigentlich bekomme ich kaum Luft. Gestern habe ich geweint. Vorgestern auch. Und Heute. Die offenbar praktizierte Politik des nicht Eingreifens. Die abstrus mickrige Polizeipräsenz vor Ort – die jedes Regionalspiel hier in Bremen locker übertrumpft. Es fühlt sich für mich an, wie ein klarer Politikkurs der Bundesregierung. Eine Politik des kalkulierten nicht Eingreifens. Eine neue Qualität von Neutralität – die sich gähnend gegen die basalen Eckpfeiler des Grundgesetzes lehnt. Und sie einreißt.

Labyrinth_aus_Mais

Ich bitte euch daher: Helft mit eine andere Realität zu sein. Das wird in diesem Staat niemand außer euch machen. In Bremen und bundesweit gibt es großartige Projekte. Projekte, die helfen: Durch Geld, Zeit, Energie. Unterstützt und macht Politik dort, wo derzeit von offizieller Seite schlichtum keine stattfindet:

Flüchtlingshilfe Bremen (Bedarfslisten der Unterkünfte, Willkommens-Kultur, Zeitspenden)
Refugio (Beratung, Therapievermittlung für Geflüchtete und Folteropfer)
Flüchtlingsrat Bremen (politische und rechtliche Arbeit)
Fluchtraum e.V. (Unterstützung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge)

BFF_1508_HeaderSW1-300x111Mehr Infos zu der Aktion Blogger für Flüchtlinge findet ihr hier: klick.

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